Von Brauern, Hussiten und anderen Bernauer Geistern

Festspiel zum Hussitenfest Bernau 2006

Autor: Holger Herzog (Alle rechte am Stück beim Autor)

1.Szene (Bernau, um 1876)

Die Ausgrabung eines leibhaftigen Hussiten durch den Chemiker und Literaten Dr. Emil Jacobsen und seiner Gesellschaft. Eine ausgelassene Sonntagsgesellschaft hat sich auf Einladung von Emil Jacobsen in Bernau zusammengefunden. Sie begeben sich, mit Schaufel und Spaten bewaffnet, auf die Wallanlagen der Stadt. Dort finden sie einen leibhaftigen Hussiten. Personen: Dr. Emil Jacobsen, Ludwig Pietsch (Journalist), Julius Stettenheim (Journalist), Heinrich Lessing (Maler), Apotheker Rudolf Böhme, August Wernicke (Stadtverordneter und Nachbar von Jacobsen), Fritz Paulsen (Porträtmaler, der Hussit) (Alle 40 bis 50 Jahre alt)

Auf der Bühne ist ein Faß „vergraben“. In der Tonne ist Paulsen, in der Gestalt eines Hussiten, vergraben. Am Aufgang zur Bühne stehen Schaufeln und Spaten.

Auftritt Jacobsen, Pietsch, Stettenheim, Lessing, Böhme, Wernicke.

Jacobsen: (verteilt die Werkzeuge) So, meine Herren, schreiten wir zur Tat. Wer will schon abseits stehen, wenn vom kalten Schottland bis nach dem sonnigen Ägypten die Geschichte an den Tag gebracht wird. Hier im märkischen Sand liegt unsere heroische, deutsche Geschichte noch verborgen und wartet auf die wagemutigen Entdecker. Angetreten, meine Herren! Für das Protokoll: Angetreten sind hier die Herren Ludwig Pietsch, …

Pietsch: Hier!

Jacobsen: Und Julius Stettenheim

Stettenheim: Anwesend!

Jacobsen: Beides ehrenwerte Journalisten. Der Maler Heinrich Lessing, … Lessing: Hier!

Jacobsen: Der Bernauer Apotheker Rudolf Böhme

Böhme: Zu ihren Diensten!

Jacobsen: Sowie mein lieber Nachbar und der ehrenwerte Stadtverordnete zu Bernau, August Wernicke.

Wernicke: Anwesend!

Jacobsen: Als Leiter dieser ehrenwerten Gesellschaft hat die Ehre Dr. Emil Jacobsen!

Alle außer Jacoben: Vivat! Vivat! Vivat!

Jacobsen: Meine Herren, folgen sie mir.

Böhme zu Wernicke: So einen Spaß kann sich nur unser lieber Herr Jacobsen ausdenken.

Jacobsen: Spaß? Dies wird nach meiner Hoffnung eine zutiefst dramatische Begegnung mit der Bernauer - Nein! - mit der deutschen Geschichte werden.

Wernicke: Ich hab wohl eine leise Ahnung, was uns erwartet. Herr Jacobsen ist so hellauf begeistert von den Geschichten über die Hussiten. Ich durfte ihm alles zeigen, was wir in den Archiven hatten.

Jacobsen: Pssst! Herr Wernicke, wir wollen doch bitte nicht vorgreifen!

Pietsch: Ist denn der Ort der Ausgrabung schon bekannt?

Lessing: Unser Anführer berichtete mir im Vertrauen von einem seltsamen Hügel, der sich an der Stadtmauer zu befinden scheint.

Stettenheim: Eine Expedition von hervorragender, wissenschaftlicher Bedeutung!

Jacobsen: Meine Herren, ich komme mir vor, als wäre ich mit Damen vom Lyzeum auf Schmetterlingsfang! Ich bitte Sie um mehr wissenschaftliche Ernsthaftigkeit.

Sie erreichen den Hügel

Lessing: Na, das sieht ja mal sehr verdächtig aus.

Böhme: Wie konnten wir Bernauer das all die Jahre nicht sehen?

Jacobsen: Nach dem Studium alter Urkunden und genauesten Untersuchungen konnte ich diesen Hügel entdecken. Sie, meine Herren, sind nun Helfer und Zeugen einer der wohl wichtigsten Ausgrabungen in der märkischen Geschichte. Zur Tat, meine Herren, den Spaten fröhlich geschwungen.

Nach wenigen Spatenstichen öffnet sich der Hügel und Fritz Paulsen in Verkleidung eines Hussiten kommt hervor.

Alle (außer Paulsen) Oh und Ah!

Paulsen: Seid mir gegrüßt, ihr Leut´, Vierhundertvierundvierzig Jahre war ich gefangen in diesem Faß. Als wir Hussiten versuchten, die Mauern der Stadt zu erklimmen, stülpte man es mir über und so mußte ich drin bleiben bis auf den heutigen Tag.

Jacobsen: So, sei uns willkommen, du wilder Hussit!

Pietsch: Was für eine Sensation!

Stettenheim: Was für eine Schlagzeile! - Nach über vierhundert Jahren, Hussit vor Bernau gefunden!

Lessing: Paulsen?

Jacobsen: Wir wollen unseren Fund mitnehmen und auf das gründlichste examinieren, steht es doch um die Kenntnis der Ereignisse schlecht bestellt. Wir wollen erfahren, wie tatkräftige Männer mit ihrem Mut solch schrecklicher Gefahr, wie sie von den Hussiten über sie kam, widerstehen konnten.

2. Szene (Bernau 1413)

Im Haus der Händler und Brauerfamilie Wiese. Einrichtung entsprechend. Herr Wiese ist auf Handelsfahrt in Stettin. Frau Wiese führt das Haus und die Geschäfte. Wir befinden uns im Jahr 1413. Während Franz Wiese, ein Bernauer Bierbrauer und Händler auf der Reise nach Stettin ist, führt Thekla Wiese die Geschäfte weiter. Sie versucht, die Produktionsbeschränkungen, wie sie der Rat für ihren Betrieb festgelegt hat, zu lockern. Die Kinder treiben in dieser Zeit ihre Scherze mit Johann, dem alten Gesellen. Personen: Frau Thekla Wiese (30-40), Geselle Johann (30-40), Magd Hanna (Mitte zwanzig), Georg Wiese (Sohn, 13-14), Elisabeth Wiese (Tochter, 10-12), Karl Hämmerlein (Sohn des Tuchmachers, Freund von Georg und Elisabeth, 13-14)

Frau Wiese steht an einem Schreibpult und geht Unterlagen durch. Johann richtet ein Faß.

Thekla: So geht es nicht weiter! Ich werde wohl versuchen müssen, vom Rat die Genehmigung zu erhalten, mehr Bier nach Spandau zu liefern. Die Bücher sind voll von Bestellungen, wir können doch nicht immer nein sagen.

Johann: Wollt Ihr nicht warten, bis euer Mann wieder zurück ist. Der Rat wird Euch nicht mit Blumen empfangen. Da braucht es sicher starke Worte, um solch eine Genehmigung zu bekommen. Die Herren sind alle selbst auch Brauer und werden uns die guten Geschäfte mit Spandau neiden.

Thekla: Möge unser Herrgott einrichten, daß mein lieber Franz bald wieder kommt, aber die Sache duldet keinen Aufschub. Solange Franz auf Reisen ist, führe ich das Geschäft! Wenn wir in der Zeit liefern wollen, müssen wir den Sud jetzt ansetzen und nicht an Sankt Nimmerlein. Da müssen die Herren eben solange mit mir vorlieb nehmen.

Johann: Bei allem Respekt, ihr rüttelt an der Ordnung. Glaubt ihr, ein Hämmerlein oder Jordann lassen sich von Euch beeindrucken? Wird der Schaden nicht größer sein als der Nutzen?

Thekla: Die Ordnung sagt, ich muß das Haus führen, und das mache ich, wie ich es für nötig halte und damit Schluß!

Hanna und Elisabeth kommen mit Schüsseln usw. für das Abendbrot. Führen diese Tätigkeit bis zum Hinsetzen fort.

Elisabeth: Zeit zum Essen!

Johann geht an den Tisch. Georg und Karl kommen.

Georg: Hat da jemand was von Essen gesagt? Der Karl kann doch mit zum Essen bleiben. Wir wollen dann noch zur Kirche, hübsch artig beichten!

Thekla: Ach, der Herr Hämmerlein! Dein Vater geht heute auch noch zur Kirche? Ich wollte noch was mit ihm besprechen.

Karl: Ich hab nichts Schlimmes gemacht!

Johann: Noch nicht! Wenn in der Hölle die Teufel ausgehen, wachsen hier neue nach. Mit euren Späßen schafft ihr mir immer Arbeit.

Georg: Johann alter Grieskram. Wir sind doch deine Schutzengel. So verfällst du nicht dem Müßiggang.

Georg befestigt im Rücken von Johann ein Seil an dessen Stuhl.

Karl: Und Müßiggang ist aller Laster Anfang!

Johann: So seid Ihr voll von Laster, denn euer beider Name ist doch Georg und Karl Müßiggang.

Georg: Ja, das betrübt uns ja auch so, daß wir immer fleißig beichten gehen. Möge uns doch die Mutter Kirche auf den rechten Pfad führen.

Thekla: Georg! Deine Streiche sind das eine, aber lästern werde ich in unserem Haus nicht dulden!

Alle setzen sich zum Essen. Falten die Hände zum Gebet:

Thekla: Segne diese unsere Speisen und wir danken dir für deine Güte und deinen Schutz für dieses Haus. Wir bitten dich, beschütze unsren lieben Hausvater Franz auf seinem beschwerlichen Weg und führe ihn sicher und gesund nach Hause……..Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unser´n Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Alle: Amen (bekreuzigen sich und beginnen zu essen)

Elisabeth: Johann, kannst du mir bitte das Brot reichen.

Johann muß vom Stuhl hoch und Georg zieht mit dem Strick den Stuhl weg. Beim Hinsetzen stürzt Johann. Die Kinder lachen.

Thekla: Georg!

3. Szene

Im Haus der Händler und Brauerfamilie Wiese. Nach dem Kirchgang. Ankunft Herr Wiese. Nach dem Kirchgang ist noch der Nachbar und Ratsmitglied Hämmerlein zu Gast im Hause Wiese. An diesem Abend kehrt Franz Wiese nach Bernau zurück. Der Handelszug wurde überfallen. Franz bringt einen verletzten Händler aus Böhmen und dessen Sohn mit in das Haus. Personen: Frau Thekla Wiese (30-40), Geselle Johann (30-40), Magd Hanna (Mitte 20), Georg Wiese (Sohn, 13-14), Elisabeth Wiese (Tochter, 10-12), Hermann Hämmerlein (Kaufmann und Rat, 40-50), Stadtposten (Melder), Franz Wiese (40-50), Jirschie (Händler aus Klatno 40-50), Jacub (Sohn von Jirschie, 14), Thomas Werner (Bader 40), 2 Träger, Niclas (Pfarrer zu St. Marien, 30)

Aufgang Thekla, Johann, Hanna, Georg, Elisabeth und Hermann Hämmerlein

Thekla: Vielen Dank, Herr Hämmerlein, daß Sie zu so später Stunde noch ein wenig Zeit für mich haben. Hanna, bring bitte die Kinder zu Bett.

Gibt Elisabeth einen Kuß.

Thekla zu Georg: Wir beide sprechen uns noch!

Johann will auch gehen.

Thekla zu Johann: Bleib bitte hier, wir wollen doch den Anstand wahren. Ich habe noch einen Gast. Und bring uns was zu trinken.

Hermann: Liebe Frau Wiese, ich danke Ihnen für die Einladung! Sie waren so ernst, haben mein Karl und Ihr Georg wieder einen Schaden angerichtet? Ich weiß auch nicht, manchmal denke ich, die beiden haben nur Stroh im Kopf.

Johann bringt Wein oder Bier in der Kanne und bedient beide, setzt sich abseits und arbeitet.

Thekla: Nein! Ich bekomme sicher mit unseren Beiden auch bald graue Haare, aber es geht um das Geschäft. Ich muß einige Entscheidungen treffen und dazu benötige ich eine Stimme, die mich beim Rat unterstützt.

Hermann: Ach, um das Geschäft … . liebe Thekla, wollt Ihr nicht warten, bis Euer Mann wieder da ist. Er hat doch bisher immer Gehör im Rat gefunden.

Thekla: Ich kann nicht warten, ich habe die Bücher gefüllt mit Bierbestellungen, aber mit der für uns festgesetzten Menge komme ich nicht hin. Unser Haus muß liefern, um die Kundschaft nicht an andere Orte zu verlieren.

Hermann: Halt! Halt! Ihr wollt mehr Bier herstellen, als vom Rat für Euch festgelegt ist?

Thekla: Ja, warum nicht? Die Möglichkeiten dazu haben wir.

Hermann: Laßt das Euren Mann machen, das gibt so schon einen Aufstand im Rat.

Thekla: Ich habe keine Zeit, um zu warten. Ich muß jetzt handeln! Unsere Kunden gehen sonst nach Lübeck oder wer weiß, wohin.

Es klopft heftig!

Johann: Um diese Stunde?

Thekla: Willst du nicht aufmachen, Johann?

Johann: Wer da zur späten Stunde?

Magda: Magda!

Johann: Ach, die Magda! Jetzt? Was die wohl will? Um die Zeit, das ist ja ungewöhnlich.

Thekla: Würdest du bitte aufmachen!!

Johann öffnet die Tür.

Magda: Thekla, dein Mann …

Thekla: Was ist mit Franz?

Magda: … ist am Tor. Der Handelszug ist überfallen wurden. Es gab Verletzte.

Thekla: Was ist mit meinem Mann?

Magda: Er ist unverletzt. Er schickt mich, um Bescheid zu geben, daß er einen Verletzten mit in ihr Haus bringt. Er sagt, Sie wissen schon, was zu tun ist.

Die Kinder und die Magd kommen zurück!

Hermann: Es ist ein gefährlicher Weg nach Stettin. Ich gehe und hole den Bader.

Thekla: Danke!

Elisabeth: Papa?

Georg: Was ist mit Vater?

Thekla: Hanna, geh schnell und bereite alles für einen Verletzten vor.

Elisabeth: Ist Papa verletzt?

Thekla: Nein, mein Kind! Vater ist wohl auf. Georg, hilf Johann, wir brauchen Feuer und heißes Wasser.

Georg: Johann?

Johann (steht noch an der Tür): Ach ja, Feuer.

Alle bereiten das Zimmer vor. Thekla und Elisabeth beten. Auftritt Franz Wiese, Jirschie, Jacub, und 2 Träger.

Thekla: Franz!

Beide Umarmen sich.

Elisabeth: Papa!

Georg: Vater!

Die Kinder umarmen den Vater.

Thekla: Gott sei Dank, du bist wohlauf.

Franz: Ja meine Liebe… . Ich danke Gott, daß ich wieder bei euch sein darf. Wir müssen uns jetzt aber erst um diesen böhmischen Händler sorgen. Zu den Trägern: Legt ihn auf den Tisch. Bringt Licht! Johann geh´ nach dem Bader.

Thekla: Hermann Hämmerlein ist schon zum Bader. Er muß gleich wieder hier sein.

Jirschie liegt auf dem Tisch, sein Sohn steht neben ihm und hält seine Hand und versucht, mit ihm zu reden.

Franz: Johann, dann geh´ zum Pfarrer Niclas, ich glaube, es sieht nicht gut aus.

Jacub: Vater, es wird doch alles wieder gut?

Jirschie: Es liegt alles in Gottes Hand.

Jacub: Wie kommen wir wieder nach Hause? Wir müssen doch wieder heim. Was haben wir getan?

Jirschie: Ach Jacub!

Jacub: Wir haben doch nichts Unrechtes getan? Warum den nur?

Thekla nimmt Jacub in den Arm und bringt ihn beiseite.

Thekla: Junge, so Gott will, wird alles wieder gut. Jacub, so heißt du doch? Hab Geduld. Wir tun alle unser Bestes und, so es Gott gefällt, bist du bald wieder zuhause.

Hämmerlein und der Bader kommen.

Franz: Hermann!

Hermann: Franz!

Franz und Hermann begrüßen sich kurz.

Franz: Thomas, es sieht wohl nicht gut aus. Wir haben, so gut wir eben konnten, die Wunden versorgt. Ein Schlag traf ihn am Kopf und einige an Arm und Brust.

Thomas: Wie lange ist das her?

Franz: Gestern in der Früh, bei der Furt über die Finow. Thomas untersucht den Händler, Hanna hilft.

Hermann: Was ist nun eigentlich geschehen? Du hast nichts abbekommen?

Franz: Nichts, wofür ich einen Bader benötige. Waren es die Pommern, die Quitzows oder einfach nur herrenlose Wegelagerer, es kommt doch letztlich auf dasselbe ´raus und es ist so auch egal. Im Ergebnis bleibt sich alles gleich. Wir in Brandenburg sind unter den Luxemburgern zum Spielball des großen und kleinen Adels geworden.

Hermann: Aber Friedrich von Hohenzollern soll jetzt Ordnung schaffen.

Franz: Er ist auch nur ein neuer Statthalter von König Sigismund und somit sicher nicht besser als alle vor ihm.

Johann und der Pfarrer Niclas kommen.

Niclas: Domino Vobiscum!

Alle: Et cum spiritu tuo.

Thomas: Ich bin mit meiner Kunst noch nicht am Ende! Ihr müßt euch noch etwas gedulden.

Niclas: So du den Körper heilen kannst, wirst du nicht die Seele heilen können, das liegt in der Hand der Mutter Kirche.

Franz: Lieber Niclas, ich danke euch, daß Ihr zu so später Stunde gekommen seid. Bevor ein hohes Fieber kommt, sollte dieser böhmische Kaufmann Gottes Segen empfangen.

Niclas: Ein Böhme, sagt Ihr. Das böhmische Land ist voll von Ketzern und es liegt das Interdikt auf dem Land. Ist er auch einer dieser Ketzer, muß ich ihm den göttlichen Beistand verwehren. Franz: Er ist mit Sicherheit ein guter Christ. In Stettin waren wir gemeinsam zur heiligen Messe.

Niclas: So Ihr Euch täuscht, fällt alles auf Euch und mich zurück. Thomas: Ich bin fürs Erste fertig.

Hermann: Niclas, geht ans Werk. In Gottes Namen! Wenn Franz Wiese sagt, er ist ein guter Christ, dann ist das so!

Thekla: Jacub, bis dein Vater wieder reisen kann, bleibt ihr bei uns. Der gute Niclas wird sich um das Seelenheil deines Vaters kümmern und wir uns um euer weltliches Wohlergehen. Vater Niclas!

Niclas: In Gottes Namen.

4. Szene

Auf einer Wiese vor der Stadt, die Kinder spielen. Die Kinder des Hauses haben sich mit dem jungen Böhmen angefreundet und spielen vor der Stadt. Beim Spiel kommen sie auf den Gedanken, dem alten Gesellen Johann einen Streich zu spielen. Sie beschließen, ihm Bilsenkraut unter sein Bier zu mischen. Personen: Georg Wiese (Sohn, 13-14), Elisabeth Wiese (Tochter, 10-12), Jacub (Sohn von Jirschie, 14), Karl Hämmerlein (Freund von Georg und Elisabeth, 13-14)

Georg und Jacub haben zwei Stöcke als Schwerter, Elisabeth sitzt etwas abseits (stickt?).

Jacub: Treffer! Wir Böhmen sind die besten Kämpfer auf der Welt!

Georg: Ach Quatsch, ich hab mir nur keine Mühe gegeben. Du bist doch unser Gast!

Jacub: Nur keine falsche Rücksicht! Wenn euch Jacub von Klatnow gegenübersteht, müßt ihr all eure Kunst aufwenden.

Georg: Ach, der hohe Herr Jacub gibt sich die Ehre?

Georg greift Jacub an.

Jacub: Treffer! Herr Wiese, wir wollen doch die Form wahren.

Karl kommt.

Karl: Hallo Georg, hallo Jacub!

Karl setzt sich neben Elisabeth.

Karl: Was machen denn die Beiden?

Elisabeth: Die beiden edlen Herren kämpfen.

Karl: Ach ja? Und das gefällt dir?

Elisabeth: Es sind doch recht stattliche Kämpfer.

Jacub: Es gebietet mir meine hohe Erziehung, die hohen Damen zu ehren.

Jacub schlägt oder pflückt ein Blatt vom Baum und geht zu Elisabeth.

Jacub: Oh, edle Blume, sei so gut und nehmt die Rose und wählt mich zu Eurem Streiter.

Elisabeth nimmt das Blatt! Jacub geht zurück zu Georg.

Karl: Angeber!

Georg: Was mach ich nun, Karl, ist ja keine Dame?

Jacub: Mach ihn doch zu deinem König!

Georg: Edler König Karl, gebt mir die Ehre, für Euch zu kämpfen.

Karl: Quatsch!

Elisabeth: Spiel doch mit, für mich!

Karl: So, mein Georg….. , um deinem König zu gefallen, mußt du diesem böhmischen Gockel richtig einheizen.

Georg verbeugt sich und Jacub und Georg beginnen zu kämpfen. Jacub sieht meist besser aus. Zum Schluß macht Georg aber einen Schwerttrick und entwaffnet Jacub.

Jacub: Was war denn das?

Karl: Ja! Mein edler Held!

Elisabeth: Schade!

Georg: Ärgere dich nicht, den Schwerttrick habe ich von meinem Vater. Ich bringe ihn dir bei, wenn du willst.

Karl: Willst du Jacub nicht gleich beibringen, wie ihr zu Hause Bier braut?

Jacub: Ich muß nicht wissen, wie man bei euch braut, wir haben zu Hause das beste Bier der Welt! Karl: Wie eure Kämpfer? Ihr braut sicher noch mit Bilsenkraut und Stechapfel.

Elisabeth: Karl, hör doch auf!

Jacub: Was ist denn Bilsenkraut?

Georg: Das hat man früher in das Bier getan, aber es macht dumm im Kopf.

Jacub: Wie?

Elisabeth: Man sieht böse Geister und die fahren dann für kurze Zeit in den, der das Bier trinkt. Jacub: Klingt doch lustig!

Elisabeth: Ja, wenn man es selber nicht trinkt!

Jacub: Ich würde das schon gern mal sehen!

Karl: Ich würde das nicht trinken!

Elisabeth: Ich wüßte keinen, der dumm genug wäre, das zu trinken.

Georg und Karl: Johann!

Jacub: Johann?

Elisabeth: Nein, Jungs das gibt Ärger!

5. Szene

Im Haus der Händler- und Brauerfamilie Wiese. Jirschie hat sich schon so erholt, daß er im Stuhl sitzt. Im Haus wird gearbeitet. An diesem Tag soll im Hause Wiese eine Bierprobe stattfinden. Nachdem alles soweit ist, erhält jeder einen Krug Bier. Den Kindern gelingt es, unbemerkt Bilsenkraut in Johanns Bier zu mischen. Während sich ein Gespräch über die Lage in Böhmen entwickelt, beginnt das Bilsenkraut zu wirken. Johann bekommt Halluzinationen. Er spricht wirr. Der Bader und der Priester werden geholt. Nachdem Johann zusammengebrochen ist, kann der Bader aufklären, daß Johann mit Bilsenkraut vergiftet wurde. Die Kinder müssen ihre Schuld bekennen.

Personen: Frau Thekla Wiese, Geselle Johann, Magd Hanna (Mitte 20), Georg Wiese, Elisabeth Wiese, Franz Wiese, Jirschie, Jacub, Karl Hämmerlein, Thomas Werner, Niclas

Jirschie sitzt in einem Stuhl. Es wird gebraut. Um die Stammwürze zu prüfen, wird eine Probe durchgeführt. (Bierprobe).

Johann: Herr Wiese, haltet Ihr es für richtig, unseren Gast da sitzen zu lassen.

Franz: Seine Genesung wird nicht verzögert, wenn er unter Menschen ist.

Johann: Das meine ich doch nicht! Er sieht, wie wir Bier brauen und das geht ihn nichts an!

Franz: Ach, Johann, er sieht nichts, was er nicht sehen kann, die Rezeptur ist in meinem und in Theklas Kopf und da kann er nicht reinschauen. Den Rest macht man hier und überall gleich.

Thekla: Johann, es ist unhöflich so zu reden.

Jirschie: Ist schon gut. Es ist auch damit immer das Gleiche. Bei uns zu Hause lassen sich Bierbrauer auch nicht in den Sud spucken. Und ein guter Geselle gibt auch Acht, daß dies keiner tut.

Johann: Na also!

Franz: Johann sieht aber auch manchmal Gespenster.

Thekla: Er ist eben ein einfaches Gemüt.

Johann: So zu reden, ist nicht unhöflich?

Thekla: Laß gut sein, du bist schon ein guter Geselle.

Johann: Und, ist es so weit?

Franz prüft die Würze

Franz: Gleich!

Die Kinder kommen.

Elisabeth: Es geht gleich los!

Johann: Noch mehr Leute! Wollen wir nicht gleich auf dem Markt brauen?

Georg: Jacub, mein Vater wird etwas von der Würze auf den Schemel geben und sich mit dem Arschleder darauf setzen. Nach einem guten Becher Bier muß der Schemel am Arschleder kleben, dann ist es gut und wir können das Bier ansetzen.

Thekla: Hanna, geh und hol Bier.

Georg: Hanna, ich hol die Krüge!

Karl gibt Georg einen kleinen Becher. Georg will gehen und Elisabeth versucht sie vergeblich, zurückzuhalten.

Franz: Gleich haben wir ein wenig Zeit, um zu reden.

Thekla und Franz stellen die Stühle in die Nähe von Jirschie. Hanna kommt mit zwei Kannen Bier, Georg mit den Krügen.

Georg: Karl, kannst du helfen, einzuschenken?

Karl nimmt sich eine Kanne, jeder bekommt einen Krug. In einem Krug ist der Inhalt des Bechers, den Karl Georg gegeben hat.

Georg: Dieser ist für Johann!

Alle haben einen Krug, Franz legt sich das Arschleder an, gibt etwas Würze auf den Schemel und setzt sich.

Franz: Möge es gelingen! Hopfen und Malz, Gott erhalt´s!

Alle: Amen!

Thekla: Herr Jirschie, kennt Ihr diese Probe auch so? Jirschie: Wir brauen nicht in unserem Haus. Aber so wird es auch bei meinen Bekannten, die Bier brauen, gemacht. Nur hat man da selten Gäste.

Johann: Sag ich doch!

Franz: Die Umstände sind aber auch besonders.

Jirschie: Es tut mir leid, daß ich Euch mit mir und meinem Sohn zur Last falle.

Thekla: Es ist doch eine Christenpflicht, einem anderen Christen in der Not zu helfen.

Franz: Ich bin mir sicher, Ihr hättet das auch für mich getan. Thomas, unser Bader, hat ja auch gesagt, daß Ihr bald reisen könnt.

Jirschie: So Gott will! Ich bin schon viel zu lange nicht zu Hause gewesen. Die Zeiten in Böhmen sind sehr unruhig. König Wenzel hat nicht die glückliche Hand seines Vaters. Handel und Handwerk sind in einem schlechten Zustand.

Thekla: Der Pfarrer Niclas sprach doch auch von Ketzerei?

Jacub: Der meint sicher den Prager Magister Jan Hus. Der sagt nur, was alle wissen und fordert nur, was alle wollen.

Jirschie: Kind! Das ist nichts für dich und davon verstehst du nichts.

Jacub: Wenn ich zu Hause auf die Straße gehe, redet man von nichts anderem.

Jirschie: Jacub es ist gut! …(zu den anderen) Der Hus ist was für die jungen Leute und das geht auch wieder vorbei.

Thekla: Also hat Niclas schon Recht, wenn er von Ketzerei spricht.

Bei Johann wirkt das Bilsenkraut, die Wirkung sind Wahnvorstellungen, Rededrang und Tobsucht. Die Kinder verfolgen das Verhalten erst amüsiert, später mit Entsetzen.

Johann: Der Ketzer! Ich sehe Feuer! Rauch! Asche!

Franz: Johann?!

Johann: In einem reißenden Fluß wird die Asche weggespült! Doch es wird brennen.

Thekla: Johann, beruhige dich!

Franz versucht Johann anzufassen, dieser reißt sich los!

Johann: Ströme roten Blutes durchziehen die Stadt und der König wird sterben und keiner wird König nach ihm sein!

Hanna: Der Teufel ist in ihn gefahren.

Johann: Der Einäugige wird die Ritter schlagen. Und sie werden brennen und verbrannt werden.

Franz: Johann, komm zu dir!

Thekla: Hanna, hol den Pfarrer!

Franz: Hol den Bader!

Johann: Heerscharen, die das Blut trinken, werden sich auf Bergen versammeln. Sie ziehen in Burgen, die kommen und gehen. Donner und Rauch! Mäuse in Purpur sitzen in ihren Löchern und kommen nicht raus, da sie Angst vor dem Feuer haben. Das Land wird dürr und alles, was das Land berührt, wird dürr und alle, die aus diesem Land in anderes Land kommen, machen das Land, das sie bereden, dürr.

Franz: Kinder, bleibt weg!

Thekla: Er ist besessen!

Johann: Aber das Feuer brennt auch in diesem Haus und es geht und kommt wieder. Und es wird vor den Toren stehen und wehe dem, der noch nicht hinter den Mauern bei den purpurnen Mäusen ist, diese wird das Feuer verbrennen.

Bader und Pfarrer kommen gleichzeitig

Johann: Das Feuer wird zu Rauch durch den Sud! Das Feuer wird zu Rauch durch den Sud! Es geht zurück in das dürre Land.

Niclas: Weiche Satan! Im Namen des Vater, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Johann: Nahe der böhmischen Furt wird das Feuer mit dem Feuer kämpfen. Nur Asche und Rauch!

Niclas: Weiche Satan! Im Namen des Vater, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Johann: Nur Asche und Rauch!

Johann bricht erschöpft zusammen und schläft ein!

Der Bader geht zu Johann.

Thomas: Er schläft wie ein Kind!

Niclas: Das ist die Kraft des Wortes!

Thomas: Er hat eine heiße Haut und seine Augen sind feuerrot. Was hat er gegessen oder getrunken?

Thekla: Dasselbe wie wir. Das letzte war ein Krug Bier.

Thomas: Bier?

Thomas untersucht die Becher.

Niclas: Der Teufel ist in ihn gefahren.

Franz: Unser Bier ist in Ordnung! Was suchst du?

Thomas: Ich kenne Geschichten von meinem Vater, daß Leute, nachdem sie Bier getrunken haben, vom Wahnsinn befallen wurden.

Franz: Ja, als man noch Stechapfel oder Bilsenkraut in das Bier gemacht hat. Das ist doch aber schon ewig her!

Thomas: Bilsenkraut gebe ich auch als Arznei bei Schlaflosigkeit. Es hat einen leichten Nachgeschmack! Laß mich raten, das ist der Krug von Johann.

Franz: Ja! Aber wir verwenden keine Kräuter, nur Buckower Hopfen!

Thomas: Wenn das vor den Rat kommt, daß in Eurem Haus mit Kräutern das Bier versetzt wird, bekommt Ihr große Schwierigkeiten.

Thekla: Franz hat es doch gesagt, wir benutzen solche Zusätze nicht.

Niclas: Euch wird man das Braurecht entziehen.

Thomas: Wenn nicht geklärt wird, wie das Kraut in Johanns Bier kam, endet Ihr womöglich im Turm.

Elisabeth: Das haben wir nicht gewollt. Ich hab den Jungs gleich gesagt, das ist nicht recht.

Franz: Was habt ihr nicht gewollt? Was ist nicht recht?

Karl: Der Jacub wollte sehen, wie das Bilsenkraut dumm im Kopf macht!

Elisabeth: Das ist nicht wahr! Du und Georg hattet die Idee!

Karl: Aber nur, weil der Jacub von nichts weiß!

Thekla: Georg! Was hast du angestellt!

Georg: Es war eine dumme Idee! Es sollte doch nur ein Spaß werden.

Franz: Ein Spaß! Johann ist nicht immer nett, aber was das Schlimmste ist, du bringst mit deinen dummen Streichen unsere ganze Familie in Gefahr!

Jacub: Aber Karl hat schon Recht, ich bin Schuld. Wenn ich nicht gesagt hätte, ich würde das gern mal sehen, wären Karl und Georg nie auf den Gedanken gekommen.

Thomas: Solange Johann Euch nicht beim Rat anzeigt, wird dieser Vorfall in Eurem Hause bleiben.

Niclas: Die Kinder werden genügend Buße tun, dafür werde ich schon sorgen.

Jirschie: Es tut mir leid, daß mein Sohn Ihre Gastfreundschaft so verletzt hat.

Franz: Das liegt nun wirklich nicht an Ihnen. Mein Sohn ist dafür verantwortlich und er wird dafür sorgen, daß es Johann, wenn er wieder aufwacht, an nichts fehlen wird!

6. Szene

Vor dem Stadttor, Familie Wiese verabschiedet ihre böhmischen Gäste. Nachdem sich der böhmische Gast erholt hat, wird dieser durch die Bernauer verabschiedet.

Personen: Frau Thekla Wiese, Magd Hanna (Mitte 20), Georg Wiese, Elisabeth Wiese, Franz Wiese, Karl, Jirschie, Jacub.

Franz übergibt Jirschie einen Geldbeutel

Franz: Gebe es Gott, daß Ihr wohlbehalten zuhause ankommt.

Jirschie: Daß wir letztlich noch von euch Geld borgen mußten, um in die Heimat zu reisen, betrübt mich sehr.

Thekla: Euch ist nach dem Überfall doch nichts geblieben.

Franz: Ihr seid doch auch kein Bettler und unser Handschlag als Kaufleute genügt, um zu wissen, daß ihr das Geld uns zur passenden Gelegenheit zurückzahlt.

Jirschie: Wir stehen hoch in eurer Schuld! Liebe Frau Thekla, Euch möchte ich besonders danken, habt Ihr doch nicht nur mich gepflegt, sondern auch meinem Sohn ein wenig über die schwere Zeit geholfen.

Thekla: Dieser Verdienst gebührt wohl dann doch mehr Georg und Elisabeth.

Jirschie: Lieber Georg, mach deinen Eltern das Leben nicht so schwer und laß den Johann in einem Stück.

Jacub: Vielen Dank, Herr und Frau Wiese, ich werde für Sie beten. Liebe Elisabeth, da ich dir neulich nur ein Blatt für eine Blume geben konnte, möchte ich das jetzt wieder gut machen.

Er gibt Elisabeth eine Blume

Jacub: Georg!

Georg: Halt die Klappe. Komm gut nach Hause!

Sie umarmen sich.

Franz: Gute Reise!

Karl kommt gelaufen.

Karl: Herr Jirschie … Ich wollte mich auch von dir verabschieden. Ich war nicht immer nett, aber ich wünsch´ dir jetzt alles Gute!

Die beiden geben sich die Hand! Jirschie und Jacub gehen ab! Karl geht zur Familie Wiese.

Georg: Du wolltest doch nur sehen, daß er wirklich weg ist!

Karl: Blödsinn!

Elisabeth: Schau mal, die hat mir Georg zum Abschied geschenkt. Ist das nicht lieb von ihm?

Karl: Dieser Angeber!

Georg: Von dem könntest du noch einiges lernen und dann könntest du vielleicht eines Tages mein Schwager sein.

Karl und Elisabeth: Quatsch!!

7. Szene (Bernau April 1432)

Nach einem Zeitsprung in das Jahr 1432 befinden wir uns auf einem Platz in Bernau. Franz Wiese ist gestorben und wurde eben zu Grabe getragen. Die Trauergemeinde trifft auf dem Platz auf die Flüchtlinge, die vor den Hussiten geflohen sind. Unter den Flüchtlingen ist Magda, die aus Buckow geflohen ist. Durch diese erfahren sie mehr über die heranrückenden Hussiten. Die Stadt Bernau beginnt sich auf einen Angriff vorzubereiten.

Personen: Frau Thekla Wiese (Mitte 50), Georg Wiese (Mitte 30), Elisabeth Hämmerlein (früher Wiese Anfang 30), Herrmann Hämmerlein (Anfang 60), Karl Hämmerlein (Mitte 30), Pfarrer Niclas(Anfang 60), Hans Baum (Händler aus Buckow) und weitere Flüchtlinge.

Herrmann: Dem Alten Franz ist diese Bedrohung Gott sei Dank erspart geblieben. Es werden immer mehr Flüchtlinge in der Stadt.

Georg: Vater hätte sich nicht gefürchtet. Er war ein standhafter Bürger unserer Stadt.

Thekla: Mein Franz war ein gesonnener Mann!

Herrmann: Sein Rat wird uns auch allen fehlen.

Niclas: Ich hatte euch damals schon gesagt, die Böhmen sind alles Ketzer und jetzt kommen sie hierher, um uns zu verderben.

Elisabeth: Jacub und sein Vater waren keine Ketzer. Es waren nette Leute.

Thekla: Die in Not geraten sind.

Georg: Und wir haben geholfen, wie es sich für Christen geziemt.

Karl: Ich hatte den Jacub schon fast vergessen, daß du dich noch an seinen Namen erinnern kannst. Du denkst also immer noch an ihn.

Elisabeth: Sei nicht albern, ich war ein dummes kleines Ding und dummen kleinen Dingern gefallen nun mal fremde Jungen und Jacub war auch der erste, der mir eine Blume geschenkt hat. Und so was merken sich Frauen nun mal.

Karl: Wußte ich es doch!

Thekla: Euer Streit ist kleinlich und äußerst unpassend.

Herrmann: Georg übernimmt also das Geschäft von Franz. Er sollte sich auch um einen Sitz im Rat bemühen.

Niclas: Ist das nicht ein wenig früh? Als junger Mann muß er sich doch erst in seinem Geschäft bewähren.

Thekla: Mein Sohn hat die letzten zwei Jahre schon alle wesentlichen Geschäfte abgewickelt.

Herrmann: Es dauert auch Jahre, bis man in den Rat kommt, also heißt es, beizeiten darauf hinzuwirken.

Georg: Da, bei den Flüchtlingen scheinen welche aus Buckow zu sein. Das ist Klara, die Frau unseres Hopfenlieferanten!

Georg geht zu einer Gruppe von Flüchtlingen.

Klara: Herr Georg Wiese!

Georg: Seid gegrüßt, Klara, ich hatte Euch nicht hier erwartet.

Klara: Alle sind in heller Aufregung. Die Vorstadt von Frankfurt brennt. Müncheberg ist zerstört. Wir alle haben Angst um unser Leben.

Georg: Und Buckow?

Klara: Das weiß Gott! Herrmann: Das heißt ja, die Hussiten sind nicht mehr weit entfernt!

Georg: Wie stark sind die Hussiten?

Klara: Ich habe gehört, daß es mehr als 5000 sind.

Niclas: Die Ketzer stehen vor den Toren der Stadt. Gott steh uns bei!

Georg: Es ist jetzt wohl nicht die Zeit, in Aufregung zu fallen. Die Mauern von Bernau sind stark.

Karl: Keiner weiß, ob die Böhmen zu uns kommen.

Herrmann: Wenn die nach Berlin oder Spandau wollen, müssen sie über Bernau.

Karl: Die könnten doch, wer weiß wo, langziehen.

Georg: Wenn Sie über Müncheberg kommen, bleibt ihnen nur der Weg über Bernau.

Thekla: Klara, deine Familie kann in unserem Haus eine Unterkunft finden.

Klara, ihre Familie und Thekla ab!

Herrmann: Der Rat wird alles für die Verteidigung vorbereiten. Die Tore müssen geschlossen werden.

Georg: Herrmann, solange noch Flüchtlinge kommen, müssen wir die Tore offen halten.

Herrmann: Das wird der Rat entscheiden, aber keiner sollte mehr die Stadt verlassen.

Karl: Solange der Rat nicht entschieden hat, ist das unsere Sache!

Elisabeth: Wir müssen morgen auf die Bleichwiese!

Georg: Ihr bringt euch in Gefahr.

Karl: Die ziehen doch wer-weiß-wo-lang. Wir haben zu arbeiten!

8. Szene

Weit vor der Stadt Bernau. Die Hussiten schicken Jacub, der einst Gast bei den Wieses war, los, um die Lage vor Bernau zu erkunden.

Personen: Jacub(30), Karel (40, Hussitenführer), Wenzel (40, Hussitenführer) und verschiedene Hussiten.

Karel: Wir haben kaum noch mit Widerstand zu rechnen.

Wenzel: Hier ist aber auch nicht viel zu holen.

Karel: Es geht ja nur in zweiter Line darum, was zu holen, Friedrich von Hohenzollern soll sich um uns kümmern müssen und nicht die Verhandlungen in Eger. Bei den Bayern und den Sachsen hatten wir so auch Erfolg.

Wenzel: Der Friedrich ist aber aus einem anderem Holz geschnitzt, wenn es ihm gelingt, Truppen zu versammeln und uns zu stellen, wird es ungemütlich.

Karel: Darum haben wir nicht viel Zeit. Was wir zerstören können, das zerstören wir und spätestens in der ersten Maiwoche sind wir wieder in der Lausitz.

Wenzel: Weit kommen wir mit der verbleibenden Zeit nicht mehr.

Karel: Ich denke auch, Berlin und Spandau sind zu weit. Das nächstgrößere Ziel ist Bernau. Soweit wir wissen, ist die Stadt gut befestigt, aber recht wohlhabend.

Wenzel: Also unser lohnender Abschuß!

Karel: Nur, wenn es uns gelingt, die Bernauer zu überraschen.

Wenzel: Und wenn nicht?

Karel: Werden wir sofort abdrehen und Werneuchen, Altlandsberg und Strausberg angreifen.

Wenzel: Warum dann nicht gleich die beiden anderen und nicht Bernau. Karel: Wie vor Frankfurt werden alle übrigen Orte hoffen, wir beißen uns an der reichen Beute fest und sie werden verschont. Doch mit einem kurzen Schwenk stehen wir vor ihren Toren.

Wenzel: Werneuchen, Altlandsberg und Strausberg macht in der Summe Bernau.

Karel: Ich weiß, daß wir einen unter unseren Männern haben, der sich in Bernau recht gut auskennt. Jacub komm her! Du wirst dich allein nach Bernau aufmachen und die Lage erkunden.

Jacub: Wieviel Zeit habe ich?

Karel: Nicht mehr als drei Tage! Bis dahin sind alle Truppen nördlich von Bernau versammelt.

Jacub: Wo werde ich euch finden?

Karel: Biesenthal werden wir umgehen, östlich davon gibt es einige Dörfer. Also, wir erwarten dich in drei Tagen in Tuchen.

9. Szene

An der Stadtmauer (Bleichwiese). Karl und Elisabeth sind vor der Stadt, um Tuch zu bleichen. Jacub trifft auf die beiden, es kommt zum Kampf. Georg kommt hinzu und erkennt Jacub.

Personen: Georg Wiese, Elisabeth Hämmerlein (Wiese), Karl Hämmerlein, Jacub,

Elisabeth und Karl breiten Tücher zum Bleichen aus!

Elisabeth: Ganz wohl ist mir dabei nicht, Georg hat uns gewarnt, noch vor die Stadt zu gehen.

Karl: Der Rat hat noch nicht beschlossen, die Tore zu schließen und wir müssen uns um unser Tuch kümmern.

Elisabeth: Aber die Geschichten, die uns die Flüchtlinge erzählt haben, machen mir Angst.

Karl: Um so schlimmer ihre Geschichten, um so mehr kümmert man sich um die Leute. Es wird schon nicht so schlimm gewesen sein.

Elisabeth: Karl, aber du hast ja selbst ein Schwert mitgenommen. Also ganz frei von Sorge bist du nicht.

Karl: Man kann ja vorsichtig sein, das schadet nie.

Elisabeth: Ich hab ein komisches Gefühl, wir haben uns in Gefahr begeben. Die Tücher hätten wir auch in ein paar Tagen bleichen können.

Karl: Denkst du, hier im Busch steckt irgendwo einer dieser Ketzer?

Jacub hat sich im Hintergrund in einem Busch versteckt. Karl stochert mit dem Schwert in den Büschen herum. Dabei kommt er Jacub zu nah, so daß dieser Karl angreift. Karl kommt in große Bedrängnis, Elisabeth stellt sich schützend vor Karl. Georg ist Karl und Elisabeth gefolgt und erscheint nun und kämpft mit Jacub. Im Duell wendet Jacub den Schwerttrick, den er von Georg gelernt hat, an. Georg erkennt Jacub.

Georg: Jacub?

Jacub: Wer bist du?

Georg: Georg!

Jacub: Georg?

Georg: Ja! Und das sind Karl und Elisabeth!

Karl: Er hat versucht, mich zu töten!

Elisabeth: Georg!

Jacub: Ist das eine Freude, euch wieder zu sehen!

Georg: Freust du dich immer so?

Jacub: Ich wußte doch nicht, daß ihr das seid. Und Karl ist mir mit dem Schwert verdächtig nahe gekommen.

Elisabeth: Du bist ja ein richtiger Mann geworden.

Karl: Elisabeth!

Jacub: Es ist so schön, euch wieder zu sehen. Wir hatten so viel Spaß zusammen. Georg, wie geht es euren Eltern?

Georg: Vater ist letzte Woche gestorben.

Jacub: Das tut mir sehr leid. Meine Familie steht noch immer in eurer Schuld.

Georg: Was machst du hier?

Jacub: Wollen wir uns nicht lieber freuen, daß wir uns einmal wiedersehen?

Georg: Gehörst du zu den Hussiten, die das Land verwüsten?

Jacub: Frag nicht, was du sowieso weißt!

Karl geht mit dem Schwert auf Jacub los.

Karl: Er ist ein Hussit! Wir bringen ihn in die Stadt.

Elisabeth: Das ist nicht wahr. Du gehörst nicht zu den Ketzern!

Jacub: Elisabeth, Karl hat recht, es tut mir leid!

Georg: Hast du nicht eben noch gesagt, daß du in unserer Schuld stehst?

Jacub: Die Schuld meiner Familie und dieser Krieg haben nichts miteinander zu tun.

Karl: Nicht?

Jacub: Das Geld, was euer Vater uns damals geliehen hat, trage ich immer bei mir, um es euch zurückzugeben.

Georg: Wann wolltest du es zurückgeben?

Jacub: Bei Gelegenheit.

Georg: Wenn deine Leute plündernd durch die Stadt ziehen, unsere Nachbarn töten? Wolltest du dann zu uns kommen und deine alte Schuld bezahlen?

Jacub: Nein!

Elisabeth: Was nein? Wie sonst?

Jacub: Ich weiß auch nicht!

Georg: Wir haben das Geld Freunden gegeben, das waren andere Menschen, nicht solche wie du!

Jacub: Ich habe euch noch immer als Freunde in meinem Herzen! Es ist nicht, wie ihr denkt.

Elisabeth: Was weißt du denn, was wir denken? Was weißt du denn von unserer Angst.

Karl: In fast jedem Haus sind Flüchtlinge, die alles verloren haben. Erinnert dich das nicht an damals im Haus von Familie Wiese!

Jacub: Es ist Krieg und jeder hat seine Aufgabe! Ich habe nicht zu entscheiden, wie sich unsere Streitmacht zu bewegen hat.

Georg: Was habt ihr vor?

Jacub: Ich bin kein Verräter!

Karl: Wir bringen ihn in die Stadt!

Elisabeth: Du bist schon ein Verräter und hast unsere Freundschaft verraten.

Georg: Sag es uns! Was ist mit Bernau? Dann können wir dich gehen lassen.

Karl: Du kannst ihn nicht laufen lassen.

Georg: Halt die Klappe! Für mich zählt Freundschaft noch was. Jacub, wenn wir wissen, was ihr plant, kannst du gehen!

Jacub: Was soll ich nur machen? …

Elisabeth: Reden!!!

Jacub: In drei Tagen werden die Hussiten von Norden aus nach Bernau kommen. Wenn euer Widerstand groß genug ist, werden wir schnell weiterziehen. Es wird keine Belagerung geben.

Georg: Jacub, geh!

Jacub: Ich wünsche euch viel Glück! Georg, das Geld?

Georg: Mit Geld kannst du dich nicht freikaufen! Verschwinde!

Jacub: Elisabeth! Es tut mir leid!

Jacub ab.

Karl: Ich hätte ihn nicht laufen lassen.

Elisabeth: Er war doch mal unser Freund.

Georg: Wir hatte viel Spaß zusammen. Der arme Johann!

Elisabeth: Das Bilsenkraut hat ihm ganz schön zugesetzt.

Karl: Er war tagelang zu nichts zu gebrauchen.

Elisabeth: Und Georg durfte ihn von vorn bis hinten bedienen.

Karl: Wir haben jetzt aber andere Sorgen, als den alten Johann!

Georg: Ausnahmsweise hast du mal Recht, aber der alte Johann wird den Hussiten noch richtig einheizen!

Karl: Der Alte kann doch kaum noch einen Löffel halten, was kann der schon tun.

Georg: Eine ganze Menge! Los, packt euer Zeug zusammen, wir müssen zuerst zum Bader, dann zum Rat!

10. Szene

In der Stadt. Stadtbewohner bereiten das mit Bilsenkraut versetzte Bier vor und verlassen die Stadt, getarnt als verspätete Flüchtlinge.

Personen: Georg Wiese, Elisabeth Wiese, Karl, Bader Thomas, Herrmann, Bürgermeister, Rat

Herrmann, der Bürgermeister und der Rat stehen zusammen.

Bürgermeister: Es gibt das Gerücht, daß der Kurfürst seine Truppen sammelt.

Herrmann: Es ist aber auch nur ein Gerücht, der Kurfürst soll in Eger sein, um mit den Ketzern zu verhandeln.

Georg, Karl, Elisabeth und der Bader kommen.

Rat: Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab. Keiner weiß, wie lange die Leute in der Stadt bleiben.

Georg: Noch drei Tage!

Herrmann: Wie kommst du darauf?

Karl: Wir haben einen von … (den Ketzern auf der Bleichwiese)

Georg: … von den Flüchtlingen gefragt, der hat die Hussiten in der Nähe gesehen.

Bürgermeister: Und warum sollen wir die Ketzer nach drei Tagen wieder los sein?

Thomas: Weil diese Bernau nicht angreifen können!

Herrmann: Nicht angreifen, wie soll das gehen?

Georg: Bier!

Bürgermeister, Herrmann und Rat: Bier?

Georg: Johannesbier!

Bürgermeister, Herrmann und Rat: Johannesbier?

Georg: Herrmann, könnt ihr Euch noch an den Streich erinnern, den wir dem Johann gespielt haben?

Herrmann: Welchen? Das waren mehr als ein Dutzend!

Georg: Bilsenkraut?

Thomas: Die Wieses hätten damals beinahe ihre Braugenehmigung verloren.

Bürgermeister: Davon weiß der Rat ja gar nichts!

Georg: Tut auch nichts zur Sache!

Herrmann: Was hat der alte Jugendstreich mit den Hussiten von heute zu tun?

Karl: Wir geben den Hussiten Bier, mit Bilsenkraut versetzt.

Rat: Wir werden wohl kaum eine Tafel zum Empfang der Ketzer aufbauen.

Georg: Wir wissen, daß die Hussiten von Norden kommen werden. Karl und ich werden aus dem Berliner Tor Bernau verlassen und als verspätete Flüchtlinge mit einer Ladung Bier im Bogen nach Bernau zurückgehen.

Karl: Ich? Könntest du mich auch mal fragen?

Georg: Wenn die Hussiten uns finden, werden sie uns sicher das mit Bilsenkraut versetzte Bier abnehmen.

Bürgermeister: Was ist, wenn keiner das Bier trinkt?

Georg: Dann haben wir Pech gehabt, aber einen Versuch ist es wert.

Elisabeth: Georg, das ist doch gefährlich!

Herrmann: Hier sitzen und abwarten ist nicht ungefährlicher.

Thomas: Ich habe einiges an Bilsenkraut für meine Tinkturen, das sollte reichen.

Bürgermeister: Das ist sehr mutig von euch, Herr Wiese und Herr Hämmerlein!

Georg: Ans Werk meine Herren, wir haben keine Zeit zu verlieren!

Alle ab.

11. Szene

Vor der Stadt. Karl und Georg täuschen die Hussiten und das verdorbene Bier wird von den Hussiten getrunken. Die Hussiten, von dem verdorbenen Bier halb kampfunfähig, brennen St. Georgen ab und verlassen Brandenburg in Richtung Lausitz.

Personen: Jacub, Karel (40, Hussitenführer), Wenzel (40, Hussitenführer), Georg und Karl und verschiedene Hussiten.

Karl: Wenn wir die Hussiten verpassen, war alles für die Katz´! Wobei, es wäre mir nicht unlieb, wer weiß, was uns blüht, wenn die uns erwischen. Ich hab Besseres vor, als mich von den Ketzern braten zu lassen.

Georg: Sei doch endlich still! Wenn wir sie irgendwo finden, dann hier. Und wenn wir dann nicht wie Flüchtlinge aussehen und reden, trinken sie das Bier nicht und wir hängen am nächsten Baum.

Karl: Tolle Aussichten!

Die Hussiten kommen den beiden entgegen. Karl und Georg täuschen ihre Flucht vor!

Hussit: Na, wohin, ihr zwei Hübschen?

Karl: Tut uns nichts! Bitte!

Georg: Wir wollen nach Bernau!

Hussit: Da haben wir ja denselben Weg!

Jacub: Was macht ihr denn hier?

Karel: Bist du den beiden schon mal begegnet?

Jacub: Nein! Ich war nur überrascht, daß sich noch jemand in der Gegend aufhält.

Hussit: Was ist in dem Faß?

Georg: Bier!

Hussit: Bier?

Jacub: Bier nach Bernau?

Karl: Wir waren auf dem Weg nach Biesenthal.

Georg: Wir wollten aber den Hus … also euch nicht über den Weg laufen und sind umgekehrt.

Hussit: Ihr wolltet uns also eurer Bier vorenthalten?

Karl: Man hört ja nicht viel Gutes von den Hu… euch!

Karel: Wir werden hier lagern und ihr werdet unsere Gastfreundschaft genießen können.

Hussit: Eurer Gastgeschenk nehmen wir natürlich dankend an!

Die Hussiten laden die Fässer ab und bereiten ihr Lager vor!

Karel: Bindet die beiden!

Georg und Karl werden gebunden, die Hussiten beginnen, das Bier zu trinken.

Georg: So weit, so gut, die saufen das Bier.

Karl: Aber wir stecken hier fest. Wie kommen wir hier wieder raus?

Georg: Keine Ahnung!

Karl: Na dann, wohl bekomm´s und gute Träume!

Karel: Jacub, was ist das für eine Kapelle da?

Jacub: Ich glaube, die ist Sankt Georg geweiht.

Karel: Morgen ist Sankt-Georg-Tag! Nutzlose Heilige, die Kapelle brennt morgen als erstes!

Das Bilsenkraut zeigt seine Wirkung, die Hussiten streiten sich und gehen aufeinander los. Karel versucht Ordnung unter seinen Leuten zu schaffen.

Jacub: Was war in dem Bier?

Karl: Johannisbier!

Georg: Viele liebe Grüße von unserem alten Johann!

Jacub: Bilsenkraut! Als ich euch erkannt habe, habe ich mir so was gedacht!

Georg: Morgen werden alle so einen Brummschädel haben, daß euer Angriff keine Kraft haben wird!

Jacub: Und ihr? Glaubt ihr, keiner kommt auf den Gedanken, daß es am Bier lag?

Georg: Wir sind nur zwei. In der Stadt sind viele.

Jacub: Es wäre schade, wenn es euer letzter Streich gewesen wäre.

Jacub macht die Beiden los!

Georg: Und du?

Jacub: In dem Durcheinander merkt das keiner.

Karl: Danke!

Georg: Schade, daß wir uns so wieder sehen mußten!

Jacub: Macht, daß ihr fortkommt. Paßt auf euch auf!

Jacub mischt sich unter die Leute. Langsam gelingt es dem Hussitenführer, Ordnung zu schaffen.

Karel: Wo sind die beiden, die uns das Bier untergeschoben haben? Sofort aufhängen!

Hussit: Die sind weg!

Karel: Pack! Fast die Hälfte unserer Leute hat von dem verfluchten Bier getrunken.

Hussit: Das werden die morgen büßen.

Karel: Schau dir die Mauern an. Mit einem Haufen von Bierleichen kommen wir da nicht gegen an. Morgen brennen wir alles nieder, was sich vor den Mauern befindet und rücken ab. Sankt Georg brennt als Erstes!

Sankt Georg brennt!

12. Szene Bernau 1882

In der Stadt Bernau. In der Nacht nach dem ersten Hussitenfest. Jacobsen, Wernicke und Böhme resümieren das erste Hussitenfest. Die Berliner Studenten, die die Hussiten dargestellt haben, stören die nächtliche Ruhe und die Polizei beendet das Fest.

Personen: Dr. Emil Jacobsen, Apotheker Rudolf Böhme, August Wernicke (Stadtverordneter und Nachbar von Jacobsen), Fritz Paulsen (Porträtmaler, der Hussit) (Alle 40 bis 50 Jahre alt) einige Hussiten, Polizeihauptmann und Polizisten

Jacobsen: Wer hätte das gedacht, als wir vor 8 Jahren den Hussiten ausgegraben haben, daß heute ein ganzes Heer von Hussiten sich über die Stadt Bernau hermacht.

Paulsen: Es war ein prächtiger Spaß!

Wernicke: Seiner Majestät, dem Kronprinzen, hat es auch auf das Trefflichste gefallen.

Jacobsen: Zweimal durften wir unsere Parade abhalten.

Die Hussiten (Berliner Studenten) sind betrunken und lärmen.

Paulsen: Meine Krieger sind ein wenig außer Kontrolle.

Wernicke: Auch unser kleines Museum im Steintor hat unsere Majestäten sehr beeindruckt.

Jacobsen: Lieber Wernicke, denkt Ihr, daß der Rat von Bernau in den nächsten Jahren an der Geschichte der Hussiten festhalten wird?

Wernicke: Warum nicht, nach so viel Zuspruch.

Böhme: Wir könnten auch ein Festspiel organisieren.

Der Lärm durch die Hussiten wird stärker. Polizei kommt auf den Platz.

Polizeihauptmann: Meine Herren, es gibt arge Beschwerden über das Benehmen der umherziehenden Hussiten. Die Nachtruhe wird auf das übergebührlichste gestört.

Die Hussiten lärmen weiter und zeigen keinen Respekt vor der Polizei. Die Polizei muß einige Hussiten unsanft abführen.

Polizeihauptmann: Meine Herren, jetzt herrscht Ruhe. Habe die Ehre!

Paulsen: Jetzt haben die Bernauer wieder gegen die Hussiten einen Sieg errungen.

Böhme: Und wieder hat das Bernauer Bier zu der Niederlage beigetragen.

Wernicke: Ich denke, die Hussiten werden wiederkommen.

Jacobsen: Und wir werden gewappnet sein und unsere Gäste freundlich empfangen:

Willkommen seid uns all! Und möge Euch allen ein kurzer Tag in unsrer Stadt gefallen. Jetzt ist sie klein nur, doch aus alten Tagen seht ihr empor ein mächtig´ Bauwerk ragen; Der Kirche Prachtbau, den die Zeit verschont, verkündet, daß hier deutsche Kunst gewohnt. Jetzt ist die Stadt, die mächtig einst gedieh´n, nur noch die kleine Schwester von Berlin.

Ende

 
von_brauern_hussiten_und_anderen_bernauer_geistern.txt · Zuletzt geändert: 2011/01/31 16:03 (Externe Bearbeitung)
 
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