Sturm über Prag Festspiel 2004

Festspiel der FRAKIMA Werkstatt in Zusammenarbeit mit Trivium aus Bernau, dem Rabenbanner aus Bernau, den Fechtern des Magisterium Berlin-Brandenburg und der Gruppe Relegatus aus Prag.

Buch und Regie Angelica Bennert Gefördert mit Mitteln des Landkreises Barnim und des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfondes

1. SZENE

Vor jeder Szene führen Pater Laurentius und Johannes in das Geschehen ein.

Prag, anno domini 1415 im Herbst des Jahres, in dem Magister Jan Hus auf dem Scheiterhaufen in Konstanz verbrannt worden war. In der Bethlehemskapelle. Eine Menge unterschiedlicher Bürger - Tagelöhner, Doktoren, Kaufleute, Bauern, Schmied, Schuster u.ä. stehen da und beten. Der Magister Martin erhebt sich aus ihrer Mitte, Martin liest einen Brief von Hus aus dem Kerker vor. Eine Weile herrscht Stille im Raum, man hört leises Schluchzen, dann steht der Prediger Jan Zelivsky auf, er ermahnt die Gläubigen, den Weg von Hus vorzuführen. Er nimmt den Kelch und reicht ihn jedem einzelnen.

2. SZENE

Im Saal des Schlosses: Wenzel sitzt angetrunken auf dem Stuhl, eine Bulle in der Hand. Wenzel ist wütend über die Konstanzer Geschehnisse. Kämmerer Baron Kutek tritt ein und kündet Jan Ziska von Trocnov an. Ziska tritt ein und läßt sich von Wenzel seinen Racheschwur als königliches Schreiben besie-geln.

3. SZENE

anno domini 1419. In Prag. An der Karlsuniversität versehen die hussitischen Magister ihre Arbeit. In Prager Kirchen wird das Abendmahl in beiderlei Gestalt gespendet. Hussiten werden zu Priestern geweiht. In Böhmen existieren viele hussitische Gemeinden. Der Kelch ist zum Symbol des Ungehorsams geworden. Im Saal des Schlosses sind Sophie und Wenzel im Gespräch. Sophie: - fordert Wenzel auf, gegen die Hussiten was zu unternehmen. Wenzel entschließt sich, die beiden Rathäuser in Prag mit neuen katholischen Ratsherren besetzen zu lassen

4. SZENE

Auf dem Marktplatz im Altstädter Ring - Suppenspeisung innerhalb der Hussiten. Die Darsteller stehen hintereinander und reichen jeweils ihre Teller. Das Dekret von Wenzel wird diskutiert, da erscheint Bozena zusammen mit Magret und teilt mit, daß heute König Wenzel durch den Landeskämmerer im Rathaus alle von den Hussiten gewählten Ratsherren absetzen ließ. Den Predigern wurde Redeverbot erteilt. Die Menge ist empört und man verabredet sich zur Predigt des Jan Zelivsky, der trotz Verbot predigen wird.

5. SZENE

Auf dem Platz steht Jan Zelivsky und predigt, eine Menschenmenge um ihn herum. Er predigt gegen den Reichtum, gegen die Kirchenfürsten und gegen König Wenzel. Mit dieser Rede erregt er das Volk. Am Ende der Predigt fordert er die Leute auf, zum Rathaus zu ziehen. Die Menge zieht vor das Rathaus. Bühne, sie rufen ´Hussit oder Pfaff!´. Es wirkt bedrohlich. Oben aus dem Rathaus schauen die Ratsherren herunter und beschimpfen die Menge. Zelivsky fordert die Herausgabe der gefangenen hussitischen Brüder. Ein Stein fliegt und Zelivsky wird getroffen. Ziska, der mit auf dem Platz ist, gibt das Zeichen zur Erstürmung des Neustädter Rathauses. Die Menge geht dröhnend auf das Rathaus zu. Dann steht der Simon im Rathausfenster, in der Menge grölt es: Stadtrichter Niklasek schmeißt die Ratsherren aus dem Fenster. Die johlende Menge zieht ins Rathaus.

6. SZENE

König Wenzel auf Schloß Wenzelstein. Baron Kutek berichtet von den Prager Ereignissen, Wenzel bekommt einen Wutanfall und stürmt auf Kutek los. Wenzel erregt sich so, daß er einen Schlaganfall erleidet und stirbt.

7. SZENE

Auf Schloß Wenzelstein Sophie empfängt Cenec von Wartenberg und Ullrich von Rosenberg. Sie erklärt, daß sie die Regentschaft führt und Sigismund zur Zeit nicht in die Böhmischen Verhältnisse eingreifen wird. Sie beschließen in diesem Gespräch mit einem Aufgebot des Herrenbundes, die auf-ständischen Hussiten anzugreifen.

8. SZENE

Das Heer des Herrenbundes wurde von den Hussiten in offener Feldschlacht geschlagen. Doch Cenec von Wartenberg, der Prager Burghauptmann, hatte dafür in Prag die Kleinseite wieder besetzt und fing an, über das Moldauufer in der Altstadt Fuß zu fassen. Die Hussiten versuchten, jeden Fußbreit der Stadt Prag zurück zu erobern, doch immer noch drohte die Burg, der Hradschin. Ratssitzung der Hussiten. Nikolas von Hus, Prediger Ambrosius, Bozena, Stephan Simon, Mascha, Janka, Ziska diskutieren die Ereignisse. Sie beschließen, von Prag nach Pilzen zu ziehen.

9. SZENE

Frühling des Jahres 1420 Pilsen empfing die Hussiten nicht mit Freude. Die reichen Bürger und Kaufleute bangten um ihren Besitz. In der Stadt drohte von vielen Seiten Verrat und so zogen die hussitischen Truppen mit all ihren Hoffnungen in die Stadt Tabor. König Sigismund unterdessen hatte sich wieder seines böhmischen Thrones besonnen, er setzte die provisorische Regierung ab und berief die böhmischen und mährischen Stände nach Schloss Brünn ein. Schloss Brünn. Sigismund erhält die Prager Forderungen. Sigismund und Cenec von Wartenberg sind im Gespräch, wobei Sigismund alle Forderungen ablehnt und ein Treuegelöbnis einfordert.

10. SZENE

Sigismund blieb ohne Erfolg, die hussitischen Bastionen verbreiteten sich immer mehr im böhmischen Raum. Er konnte Prag nicht in die Knie zwingen. In Breslau traf er sich mit Vertretern der katholischen Kirche, um dem hussitischen Dilemma ein Ende zu setzen. Kardinal Nuntius Fernando von Lugo und König Sigismund im Gespräch, wobei der Kardinal auf einen Kreuzzug gegen die Ketzer drängt. Sigismund geht nach kurzem Zögern auf das Drängen ein und bittet um die Bulle zum Kreuzzug.

11. SZENE

Am 17. März 1420 verkündete Papst Martin V. den heiligen Kreuzzug gegen die hussitischen Götzenanbeter aus deutschen Landen. Aus Polen, Litauen, Frankreich, Brabant und Däne-mark sammelten sich Ritter, um am Kreuzzug wider die Hussiten teilzunehmen, Sigismund selbst rückte mit einer starken Truppe von Schlesien aus in Böhmen ein und lagerte vor Prag. Martin von Rautenberg und Franticek Vousy in einem Gespräch in der Schänke Rautenberg versucht, seinen Besitz zu sichern, da er als Deutscher und Katholik Angst hat, in der Stadt zu bleiben. Vousy, ein böhmischer Kaufmann, nutzt die Notlage zu einen guten Geschäft und sichert sich so auch das Haus von Rautenberg.

12. SZENE

Die Hussiten befestigten Prag. Bewaffnete Bauern und Bürger, Zelte mit Kriegern beherrschten das Bild der Stadt. Die Prager riefen die Hussiten aus Tabor um Hilfe. Zizka kehrte mit seinen Truppen nach Prag zurück. Der Adel jedoch schwankte und Städte in Böhmen und Mähren bekundeten Loyalität dem König Sigismund gegenüber. Cenec von Wartenberg verriet die Prager und übergab den Hradschin an Sigismund. Im Heerlager Sigismunds: Sigismund verhandelt erneut mit Wartenberg, aber Sigismund geht auf keine Forderung mehr ein.

13. SZENE

In der Prager Altstadt: Ein Bote, Mascha, steht mit Handwagen da, die Männer Simon und Stephan führen Spieße mit sich. Kaufmann Vousy ist mit seiner Frau in der Menge. Ein Bote verkündet, daß alle Bürger, ohne Ausnahme, den Treueid auf den Kelch zu leisten haben. Wer dem Aufruf nicht folgt, hat unverzüglich Prag zu verlassen oder wird festgesetzt. In der Menge herrscht allgemeine Zustimmung. Nach Auflösung der Gruppe bleibt Vousy und seine Frau zurück. Er erklärt seiner Frau; daß sie in Prag bleiben werden und Vorbereitungen treffen, um, egal wer der Sieger des Kampfes sein wird, diesen gebührlich zu würdigen.

14. SZENE

Rat der Hussiten in Prag. Die Hussiten besprechen die Lage in der belagerten Stadt Prag, Zizka regt an, den Berg Vitkov auszubauen, um die Angreifer dort unter Ausnutzung des Geländes zu stellen. Nicolas von Hus wird nach Tabor gesandt, um die Truppen von Rosenberg aufzuhalten.

15. SZENE

Nicolas von Hus erreichte mit seiner Truppe rechtzeitig Tabor und zersprengte die Belagerungstruppen. Ermutigt durch diesen Sieg, erwarteten die Prager Hussiten den Ansturm der Kreuzfahrer. Gepanzerte Reiter, die die Fahnen des Kreuzes mit sich führten, erschienen vor hussitischen Gräben und wurden mit Steinen und Pfeilen empfangen. Der Vitkov war mit Wällen und Türmen befestigt. Ein kleiner hussitischer Trupp stand hier dem Feindesheer am linken Moldauufer gegenüber. Der große Sturm stand bevor. Auf dem Vitkov erwarten die Verteidiger den Angriff. Die Österreicher greifen an, nach mehreren heftigen Attacken gelingt es den ersten Kreuzfahrern, in die Burg zu gelangen. In diesem Moment kommt Zizka von der Stadt mit dem Volk den Verteidigern zu Hilfe. Die Kreuzfahrer fliehen und die Hussiten haben gesiegt. Alle beten! Schlußwort des Laurentius. Das Heer der Kreuzfahrer löste sich auf. Die Schätze von Prag hatte man den Kreuzrittern versprochen. Tod und Verwundung waren jedoch die blutige Wirklichkeit. König Sigismund entließ seine Söldner, er hatte ihnen nichts mehr zu geben.

Ende


Zusammenfassung: Holger Herzog

 
sturm_ueber_prag_festspiel_2004.txt · Zuletzt geändert: 2011/01/31 16:03 (Externe Bearbeitung)
 
RSS - 2007 © 7throot HeadQuarters