Johannes Hus (1371-1415) Böhmischer Reformator

Inhaltsverzeichnis

1. Vorgeschichte

1.1 Konrad Waldhäuser

1.2 Johann Militsch

1.3 Die Lehren des John Wiclif

2. Jan Hus

2.1 Ein treuer Sohn Roms

2.2 Der Widerspruch

2.3 Der Ketzer

3. Das Konstanzer Konzil

3.1 Prozeß und Verurteilung Jan Hus

Quellenverzeichnis

1. Vorgeschichte

1.1 Konrad Waldhäuser

Über die Kindheit und Jugend des Konrad Waldhäuser ist so gut wie nichts überliefert. Das Geburtsdatum wird um das Jahr 1325 angenommen. Konrad trat 1340 in das Augustinerchorherrenkloster in seinem Geburtsort Waldhausen in Oberösterreich ein. 1343 oder 1349 erhielt er in Passau die Priesterweihe. Ob Konrad auf einer Studienreise nach Italien mit dem Frühhumanismus der Renaissance bekannt wurde, bleibt im Dunkel der Zeit, es läßt sich aber vermuten, da seinen späteren Predigten deren Gedankengut erkennen lassen. Wegen seiner Ergriffenheit und seiner Darstellungsweise war Waldhäuser ein gesuchter Prediger. Anfangs predigte er in Wien, unter anderem auch vor Herzog Albrecht II. . Wahrscheinlich hat er auch in der Domschule St. Stephan, aus der später die Wiener Universität hervorging, unterrichtet. Karl IV. holte Waldhäuser nach Prag und wählte ihn auch zum Beichtvater. Er erhielt das Priesteramt zu St. Gallus. Bei seinen Aufenthalten in Wien, Rom und Prag lernte Waldhäuser auch den Kampf des Stadtbürgertums gegen die Steuerfreiheit des Klerus kennen. Die Bürger der Städte mußten für die fälligen Steuern des Klerus aufkommen, da dieser keine Steuern zahlte. Die Steigerung des Besitzes des Klerus führte wiederum zur Steigerung der Steuern für den Bürger. So wurde der Steuerbetrag jedes einzelnen erhöht. Die Bettelmönchsklöster waren ganz im Gegensatz zu den Absichten ihres Stifters immer auf die Erhöhung ihres Besitzes konzentriert. Sie nutzten jeden Vorwand, so verlangten sie für fast alle geistlichen Aufgaben, zum Beispiel für Beichte, Taufe oder Sterbesakramente, sowie die Aufnahme eines Sohnes oder einer Tochter, Geld und ähnliches.

Waldhäuser griff diese Verhältnisse in seinen Predigten scharf an. In Prag wurde Konrad Waldhäuser zum Sittenprediger seiner Zeit. Durch diese reformatorischen Ideen hat sich Konrad in Böhmen sehr viele Freunde gemacht. Die Zwiespältigkeit dieser Zeit wird besonders an der Person Waldhäuser sichtbar. Auf der einen Seite versuchte die Kirche, durch die Formen des religiösen Lebens Macht und Reich-tum anzuhäufen, wenn der Ablaßhandel blühte, wurden Messen gelesen und Klöster gegründet. Aber mit der nur zu offenkundigen Veräußerlichung der Kirche wuchs die Suche nach Wegen, die aus der Veräußerlichung führten. Diese Mißstände der Kirche konnten eine zu breite Opposition hervorbringen, die die damalige Gesellschaft zu erschütten drohte. Ein Sittenprediger mit der Ausstrahlung Konrads schien da eine willkommene Lösung, nur übersahen sie die reformatorischen Absichten Waldhäusers. Am 17. September erhielt Waldhäuser die Pfarrei Allerheiligen in Leitmeritz. Er ließ diese von einem Stellvertreter, wie damals üblich, besorgen. Denn er hielt sich überwiegend in Prag auf und kam nicht so oft in Leitmeritz vorbei. Durch diese Pfarrei beschuldigten die Bettelmönche ihn, die gleichen Erwerbspraktiken anzuwenden wie sie selber. Um diesem Einwand zu begegnen, übernahm er 1365 die Pfarrei Maria Tein am Altstädter Ring in Prag, um die er sich persönlich kümmern konnte. Bevor er in seiner Pfarrei predigte, predigte er in der Galluskirche, die sich gegenüber dem Collegium Carolinum befand, daher zählten viele Studenten zu seinen Zuhörern. Dadurch, daß seine Predigten so viel Anklang fanden, hat die Galluskirche kaum mehr gereicht, also predigte er auf dem Platz vor der Kirche, der von großen Bürgerhäusern begrenzt war, also wie in einem gewaltigen Raum. Die Bettelmönche, gegen die er immer wieder extrem vorging, ließen sich nicht einfach so beschimpfen und versuchten immer wieder, Waldhäusers Predigten zu stören. Zum Beispiel: Als Waldhäuser im nordböhmischen Saaz vor einer großen Menge predigte, läuteten die Bettelmönche in ihren Kirchen alle Glocken. Aber Waldhäuser ließ sich davon nicht stören und predigte weiter. Doch die Bettelmönche wurden beim Papst vorstellig und verlangten einen Prozeß gegen Waldhäuser. Sie beschuldigten ihn, daß seine Predigten pure Häresie sei. Und so mußte Waldhäuser 1368 den schweren Weg nach Rom antreten. Und er wußte, daß er nur eine Chance hatte, den Prozeß zu gewinnen, wenn er über ausreichend Finanzen verfügte, also schickte er 1369 einen Brief aus Rom, in dem er um viel Geld bat. Aber weder Geld noch Beziehungen vermochten den Prozeß zu verhindern. Darum trat Waldhäuser die Reise nach Rom an, ohne auf den Ausgang des Prozesses abzuwarten. Unter dem Schutz Karls IV. kehrte er nach Böhmen zurück, aber er stand weiter unter Anklage, so daß die Inquisition jederzeit zugreifen konnte. In dieser erdrückenden Lage starb Waldhäuser am 7. Dezember 1369.

1.2 Johann Militsch

Der zur selben Zeit wie Waldhauser geborene Johann Militsch war von den leidenschaftlichen Worten Waldhäusers inspiriert worden. Und blieb mit seinem Vorbild bis zum Tode verbunden. Militsch ist ohne Waldhäuser nicht zu verstehen, obwohl Militsch noch einen Schritt weiter ging. Die Begegnung zwischen beiden Vorreformatoren erfolgte kurz nach Waldhäusers Ankunft in Prag. Anfänglich schien es, als sei Militsch zu allem anderen be-stimmt, als ein strenger Buß- und Sittenprediger zu werden. Militsch muß ein hochbegabter sprachgewandter und sensibler Mensch gewesen sein. Deshalb kam er früh in die Schreibstuben der Adligen und Fürsten. Man schätze seinen lateinischen Stil, so daß sein Weg am Anfang der fünfziger Jahre des 14. Jhs. in die Reichskanzlei nach Prag führte. Hier lernte Militsch Johann von Neumark kennen, der im Jahre 1353 zum Bischof und Kanzler Karls IV. wurde. Über ein Jahrzehnt wirkten beide in der Reichskanzlei zusammen. Sie beschäftigten sich vor allem mit der Wiederbelebung antiker Rhetorik, wie es Cola di Rienzo 1350-1352 vertrat. Militsch hatte in der Reichskanzlei bald eine angesehene Stellung eingenommen. Vom Skriptor schaffte er es bis zum Notar. Am Ende der fünfziger Jahre wurde er mit zahl-reichen diplomatischen Missionen betraut. Militsch konnte nicht nur gut schreiben, sondern auch wunderbar mit Menschen umgehen. Darauf beruhte auch seine Karriere in der nächsten Umgebung des Kaisers. Frühzeitig hat er eine Provision auf ein Kanonikat im Domkapitel zu St. Veit bekommen. Der Erzbischof von Prag, Ernst von Pardubitz, hoffte in Militsch einen Mitstreiter für die begrenzte Kirchenreform zu finden. Er betraute deswegen Militsch, seinen neuen Domherrn, mit der Wahrnehmung eines Erzdiakon. In diesem Amt lernte Militsch die Verhältnisse im Klerus gründlich kennen. Schließlich zog der Erzbischof im Februar 1363 ihn noch näher an sich, indem er ihn die Stelle eines Sakristans im Domkapitel verlieh.

1.3 Die Lehren des John Wiclif

Die Lehren des Wiclif sind in der Form wichtig, da Hus fast alle seine Punkte übernommen hat.

Wiclif lehrte, daß der Papst mit seinem Handeln die Verkörperung des Antichrist sei. Daß man alle Machthaber der Kirche, vom Papst abwärts, wegen ihrer Habgier, Verantwortungslosigkeit und Grausamkeit verfluchen sollte. Wenn die Priester sich nicht bessern, so Wiclif, „werden sie noch tiefer als Judas Ischariot verdammt werden“ . In seinen Lehren heißt es noch, sich vor den vom Papst oder den Bischöfen verhängten Verordnungen nicht zu fürchten. Die Bürger sollten nicht das Geld für Ablässe ausgeben, weil sie nichts taugen. Er leugnet nicht die Schlüsselgewalt in frommen Händen, sondern engte diese ein; so sagt er: “Sicherlich, so wie Priester von heiligem Lebenswandel und guter Kenntnis der Heiligen Schrift die Schlüssel des Himmels besitzen und Stellvertreter von Jesus Christus sind, so haben lasterhafte Priester, die die Heiligen Schrift nicht kennen, aber voll Stolz und Begierde sind, die Schlüssel zur Hölle und sind Stellvertreter Satans.“ Die Ohrenbeichte also, daß man dem Priester alle Sünden erzählt, mag vielleicht für einen selbst nützlich sein, aber man sollte lieber das Vertrauen in Christi setzen.

2. Jan Hus

2.1 Ein treuer Sohn Roms

Über den jungen Johann ist nicht viel bekannt. Man weiß heute, daß er um das Jahr 1369 in Hussinec geboren wurde. Es gibt auch Quellen, die behaupten, daß sein Geburtstag der 06. Juli gewesen seien soll. Dafür gibt es aber keinerlei Beweise. Jan Hus, wie er sich später nannte, Hus nach seinem Geburtsort Husinec, kam offenbar aus weniger reichen Verhältnis-sen. Es steht nur soviel fest, daß er um 1393 in Prag das Studium der Philosophie aufnahm. Auf seine Armut kann man aus seinen Worten schließen: „ … daß er nach Erreichen des Magistertitels an der Universität der Hungersnot entkommen wollte, die er als armer Student ertragen mußte.“ Seine Einstellung zur Kirche läßt sich aus dem Umstand herleiten, daß er von seinem letzten Geld als junger Student einen Ablaß gekauft hat. Dieses läßt vermuten, daß noch nichts vor der Kirchenkritik eines Waldhäuser oder Wiclif in ihm zu finden ist. Aber sein Studium an der Prager Universität muß ihn mit den Schriften des Wiclif in Berührung gebracht haben, wann und wo er letztlich auf den Weg des Reformers gekommen ist, bleibt im historischen Dunkel. Top

2.2 Der Widerspruch

Nach dem Tode des Kaisers Karl IV. übernahm sein Sohn Wenzel IV. die böhmische und deutsche Krone. Im Gegensatz zu seinem Vater war seine Regentschaft glücklos. Ihm werden Alkoholismus und unkontrollierte Wutausbrüchen vorgeworfen. Unter seiner Regierung verfiel schnell der Glanz Prags. Die Situation verschärfte sich noch, nachdem die deutschen Kur-fürsten ihm die Krone aberkannten und seinem Bruder Sigismund zusprachen. Die Wirtschaft des Landes verfiel und die Armut des Volkes wuchs sehr schnell. Der Zustand der Kirche war denkbar schlecht. Seit 1378 war die Kirche durch das Schisma gespalten es regierten zwei Päpste, einer in Rom und einer in Avignon, sie verfluchten und bannten sich gegenseitig. Der Handel mit Heiligen (Simonie) nahm durch den erhöhten Geldbedarf zu. Kirchliche Ämter wurden gehandelt wie jede andere Ware. Beide Umstände - Verarmung der Bevölkerung und der Verfall der kirchlichen Sitten führten dazu, daß die Kritik an der Kirche zunahm. Unter diesen Vorzeichen entwickelte sich aus dem gottesfürchtigen Studenten Jan aus Husinec der Kirchenkritiker und Reformer Jan Hus. Top

2.3 Der Ketzer

1393 erreichte Jan Hus den akademischen Grad eines Baccalaureus und 1396 Magister der „Freien Künste“. Durch seine Redegewandtheit und seine Intelligenz machte er schnell Karriere. 1402 ist er bereits Rektor der Prager Universität. Im selben Jahr empfängt er seine Priesterweihe. Ihm wurde eine Stelle als Prediger in der Bethlehemskapelle übertragen.

Dieses Gotteshaus wurde vor allem für die weniger betuchten Prager geschaffen. In unserem heutigen Sprachgebrauch würden wir sagen, die Kirche befand sich an einem sozialen Brennpunkt der Stadt. Die Kapelle war auch ein Sammelpunkt der Anhänger Militschs. Durch den Kontakt zu den Mitgliedern seiner Gemeinde gewann Jan Hus Einblick in die sozialen Umstände der einfachen Menschen. Da er selbst von einfacher Herkunft war, brachte er sicher von vornherein Verständnis für die Menschen seiner Gemeinde mit. Da er im Wort Gottes die Wahrheit sah, wollte er es dem Volke unverfälscht zukommen lassen, er begann in tschechischer Sprache zu predigen. Seine Kritik an den Zuständen der Kirche wurde immer heftiger, so daß er 1407 seiner Stelle enthoben worden ist. Hus blieb aber unbeirrt seiner gewonnen Erkenntnis treu und predigte weiter. Selbst der Bann, der 1411 über ihn gesprochen wurde, konnte ihn nicht zum Schweigen bringen. Das Besondere an Jan Hus war, daß ein Großteil des Landes hinter ihm stand. Nicht nur die niederen Stände waren von Hus begeistert, auch Bürger und Ritter waren Anhänger des Magisters. Selbst die Königin Sophie galt als eine Verehrerin des Hus. Top

Die zentralen Punkte des Hus waren: - Armut der Kirche - Christus ist alleiniges Oberhaupt der Kirche - Entmachtung des Papstes - Abendmahl in beider Gestalt (Wein und Hostie)

Die Angriffe auf Hus wurden immer heftiger, so daß er sich am 11.10.1414 nach Konstanz begab, um seine Lehren zu verteidigen.

3. Das Konstanzer Konzil

Das Konstanzer Konzil wurde ursprünglich einberufen, um die Kirche in ihren Grundzügen zu reformieren, um so die Ketzerei einzudämmen und um die Streits und Bannsprüche zwischen den einzelnen Päpsten zu beenden. Es hatte vieler Anstrengung bedurft, daß es bis zum Konzil kommen konnte, da die Päpste strikt dagegen, sich ihres Schicksals nicht sicher sein konnten. In England war die Ketzerei größtenteils eingedämmt, aber in Böhmen war Sigismund um die Situation von außen und innen besorgt, von außen durch die anbahnende Bedrohung der Türken und von innen durch die Ketzerei, die in Böhmen besonders fruchtbaren Boden fand. Vergebens versuchte Johann XXIII. das Konzil mit der Verlegung nach Italien unter Kontrolle zu halten, er war nicht erfolgreich. Sigismund entschied sich für die Bischofstadt Konstanz. Kurz danach wurde Johann aus Rom vertrieben und gab nach. Von Ihm wurde am 9. Dezember 1413 eine Bulle veröffentlicht, das Zusammentreffen des Konzils auf den 1. November des folgenden Jahres festgesetzt. Es waren dazu alle Geistlichen und weltlichen Machthaber eingeladen, dem Konzil beizuwohnen. Beigefügt zu dieser Bulle war ein Geleitbrief Sigmunds, in dem stand, daß alle weltlichen und geistigen Mitglieder sicher zu dieser Veranstaltung kommen.

3.1 Prozeß und Verurteilung Jan Huss

Als Hus aufbrach, begleiteten ihn die Brüder Johann und Heinrich von Chlum und Wenzel von Duba. Die Drei wurden von Sigismund dazu befohlen, für Hus´ Sicherheit zu sorgen. Mit Hus reiste noch ein Trupp von 30 Reitern und zwei Wagen. Vor diesem Troß war mit einem eintägigen Vorsprung der Bischof Johann von Lübeck, der die Nachricht in Konstanz verbreitete, daß Hus in Ketten nach Konstanz kommt und daß niemand ihn ansehen sollte, weil der nach ihm in die Herzen der Menschen gucken könne. Dieses führte dazu, daß sich Scharen von Menschenmassen nach Konstanz bewegten, nur um den böhmischen „Ketzer“ zu sehen. Als Hus am 19. Oktober in Nürnberg eintraf, ging er nicht zu Sigismund, um seinen Geleitsbrief abzuholen, sondern schickte Wenzel von Duba. Als Hus am 3. November in Konstanz eintraf, wurde er von zwölftausend Menschen begrüßt. Bei seinem Eintreffen war das Konzil noch nicht eröffnet. Bis auf Johann XXIII. und seine Kardinäle sei noch niemand erschienen, wird in einem Brief vom 10. November berichtet. Hus wußte, daß seine Gegner in der Zwischenzeit nicht untätig gewesen waren, denn vor ihm in Konstanz angekommen waren seine schlimmsten Feinde Michael von Deutsch Brod und Wenzeslaus Tiem und später dann noch sein schlimmster Feind, Stephan von Palecz, der mit den erdrückendsten Ausschnitten aus Hus seiner Lehre gewappnet war. Michael machte nach Hus´ Ankunft einen Kirchenanschlag, daß er Hus als Exkommunizierten und Ketzer anklagen werde. Hus gab bei seinem Aufenthalt in Konstanz genug Stoff, um böswillige Deutungen zu geben. Sein Mut und sein Gefühl der Sicherheit waren so groß in ihm, daß er gleich nach Ankunft in seiner Wohnung eine Messe zelebrierte, diese zog sehr große Menschenmassen an. Hus wurde mehrmals er-sucht, diese Messen zu unterlassen, aber das störte ihn weniger, da er sich nicht als exkommuniziert betrachtete. Also wurde es den Bürgern untersagt, an seinen Messen teilzunehmen. Hus aber setzte sich mit reichlich Nahrungsmitteln in einen Wagen, der Heu holen sollte. Da er im Laufe des Tages nicht gefunden werden konnte, wurde eine Suchaktion eingeleitet. Da man einen freilaufenden und exkommunizierten Priester als eine Bedrohung ansah, setzten seine Gegner, Stefan Plazec und Michael de Causis, eine Verhaftung von Jan Hus durch. Sobald Sigismund von der Festsetzung von Jan Hus hörte, verlangte er sofort die Freilassung von Hus. Wenn dies nicht geschieht, drohte er, würde er in das Verlies einbrechen lassen, um Hus zu befreien. Er drohte auch mit der Aufhebung des Konzils. Dieses waren mit Sicherheit nur leere Worte, denn er ließ den Geleitsbrief beiseite fallen und sicherte dem Konzil zu, daß sie weitermachen können, ohne den Geleitsbrief zu beachten. Sigmund sicherte noch zu, das Konzil vor den Angriffen der Freunde von Hus zu schützen. Vieles deutet auf eine schwankende Haltung Sigismunds hin, bis er am 8. April 1415 alle Geleitsbriefe zurücknahm.

Anklagepunkte gegen Hus:

- Daß Sakramente in den Händen von Priestern verunreinigt würden - Daß unter den obigen Bedingungen die Schlüsselgewalt aufhöre - Die Kirche dürfe keine weltlichen Besitztümer haben - Mißachtung der Exkommunikation - Hus bewilligt den Laien den Kelch - Er verteidigt die verurteilten 45 Artikel Wiclifs - Er hetze das ganze Volk gegen den Klerus auf

Diese Anklagepunkte sollten reichen, um den Prozeß gegen Hus durchzusetzen. Anfangs sah es so aus, als ob die Verhandlung zu einem schnellen Ende führen würde. Als Hus sich von seiner ersten Krankheit erholt hatte, legte man ihm eine Liste von 42 Irrtümern vor, die man aus seinen Schriften entzog. Dieses verteidigt Hus, indem er darauf hinwies, daß diese Irrtümer teilweise durch Umformulierung zustande gekommen seien. Hus verteidigte sich auch immer wieder damit, daß die Zeugen auch nur nach seinem Leben trachteten und so nicht unbedingt die Wahrheit sagten. Bald hatten sich wieder genug Beweise angesammelt, um eine weitere Gefangennahme Hus´ zu erwirken. Die Qual des Gefängnisses blieb ihm auch nicht erspart, so blieb er bis zum 24. März im Dominikanerkloster eingeschlossen. Als dann Papst Johannis XXIII. abgesetzt wurde, bat Hus, sofort zu Sigismund zu gehen und um seine Freilassung zu erwirken, doch man steckte ihn in den Turm des Klosters. Das Konzil erklärte die Lehren des Engländers Wiclif für Ketzerei. Die wurde somit auch zum stärksten Punkt der Anklage. Am 5. Juni hielt das Konzil auf Ersuchen von Johann von Chlum und Wenzeslaus eine allgemeine Versammlung mit Hus ab. In dieser Versammlung hatte er erstmals die Chance, seine Werke „De ecclesia“ und seine Traktaten gegen Stephan von Palecz und Stanislaus von Znaim öffentlich zu verteidigen. Als Hus infolge der Gefan-genschaft in eine schwere Krankheit verfiel, nutzten das die Kardinäle und boten ihm an, ein besseres „Heim“ zu verschaffen, wenn er sich vom „falschen Weg“ abwendet. Aber er lehnte ab.

Schließlich wurde Hus als Erzketzer verurteilt und am 6. Juli 1415 direkt nach der Urteilverkündung vom Konstanzer Dom zur Richtstätte an den Rhein geführt und da auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Quellen

Die Hussiten, Casimir Katz Verlag, Heinz Rieder(1998)

Ketzerschicksale, Union Verlag, Eduard Winter(1979)

Geschichte der Inquisition im Mittelalter (Band 2), Vito von Eichborn GmbH, Henry Charles Lea (1997)

Lesebuch zur deutschen Geschichte. Herausgegeben und bearbeitet von Bernhard Pollmann. Dortmund 1989, S. 353 - 356.

http://www.vatikan.de http://www.glaubensstimme.de/reformatoren/hus

Siehe auch:

Das hussitische Heer

der_laienkelch

die_bethlehemkapelle_in_prag

hussiten_zeittafel

hussitische_symbole

hussitischen_revolution


Autor: Axel Herzog

 
huss_johannes.txt · Zuletzt geändert: 2011/01/31 16:03 (Externe Bearbeitung)
 
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