Feldzug in die Mark Brandenburg 1432
Die Ursache des Feldzuges von 1432 gegen die Mark Brandenburg ist bis heute nicht völlig geklärt. Fast alle Veröffentlichungen zum Thema führen als Grund einen „Feldzug nach Speise“, also ein Feldzug mit dem Ziel der Plünderung an. Dies ist die vernünftigste Erklärung für den Einfall von 1432. Dafür spricht, dass eine solch große militärische Streitmacht, wie die die Hussiten, versorgt werden musste und es in der Kriegsführung im Mittelalter üblich war, dass sich das Heer selbst verpflegte. Dazu muss man anmerken, dass die Heerhaufen der Taboriten und Waisen ständig unter Waffen, also ein Art stehendes Heer, waren. Das gesamte Wirtschaftsgefüge im Mittelalter war aber für die Unterhaltung eines stehenden Heeres nicht ausgelegt, somit mussten ständig militärische Unternehmungen auf fremdem Territorium durchgeführt werden, um die Versorgung sicherzustellen.
Der häufig genannte Grund für Feldzug gegen die Mark ist, dass mit diesem Druck auf die Verhandlungen in Eger ausgeübt werden sollte. Was die Verhandlungen in Eger betrifft, so wird es von verschiedenen Autoren verschieden gewertet. Sello meint, dass es nicht hilfreich gewesen wäre Friedrich mit diesem Feldzug zu reizen. Görlitzer und Smahel halten dagegen es für sehr wahrscheinlich. Das Gebiet des Feldzuges war eher von untergeordneter Bedeutung und der materielle Verlust für den Landesherren zu verkraften. Viel wichtiger war es zu zeigen, dass die Taboriten und Waisen gemeinsam Handlungsfähig waren. Durch den Streit der beiden größten militärischen Gruppierungen der hussitischen Partei, auf dem Februar Landtag in Prag 1432, konnte die katholische Seite vermuten, dass die Hussiten innerlich gespalten und somit geschwächt wären. Dies hätte zu einer härteren Haltung der katholischen Seite führen können. Durch den Feldzug in die Mark Brandenburg wurden die Hoffnungen der katholischen Seite zerstört. Dass die Hussiten mit den elf Artikeln von Eger fasst alle ihre Forderungen durchsetzen konnten, kann als Zeichen für die Richtigkeit dieser Ursache für den Feldzug von 1432 gewertet werden.
Als weiterer Grund wird der Hass gegen Friedrich den I. von Hohenzollern angeführt. Richtig ist das Friedrich als besonderer Vertrauter des Kaisers galt und selbst den Feldzug von 1431 gegen die Hussiten angeführt hat. Auf der anderen Seite ist es Friedrich, der immer wieder Verhandlungen mit den Hussiten sucht, um eine friedliche Lösung zu finden.
Die von Herrmann Trebbin (Heimatforscher) angeführten Gründe, dass das Lebuser Land den besonderen Hass der Hussiten zu spüren hatte, kann man nicht nachvollziehen. Die Plünderungen und Zerstörungen überstiegen nicht das übliche Maß der mittelalterlichen Kriegsführung. Johann von Waldow, Bischof von Lebus, war zwar schon unter Jost von Mähren im Staatsdienst, hielt sich in Konstanz auf und gehörte zum Gefolge Friedrichs von Hohenzollern, aber für eine wesentliche Mitarbeit an der Verurteilung von Jan Hus kann man keine Anhaltspunkte finden. Besonders die Anklageschrift gegen Hus haben vornehmlich Palec und de Causis verfasst. Diese war nebenbei nicht für den Papst bestimmt oder durch den Papst beauftragt, sondern direkt an das Konzil gerichtet und vor allem durch seine tschechischen Gegner veranlasst.
Das nun letztlich der Lebuser Stiftshauptmann 1431 ein Heer gegen die Hussiten geführt haben soll, ist wohl gänzlich falsch, insoweit der Kreuzzug von 1431 gemeint sein soll. Der Kreuzzug 1431 wurde von Friedrich von Hohenzollern persönlich angeführt und endete wie alle Kreuzzüge gegen die Hussiten mit einer Niederlage. Dass der Stiftshauptmann an dem Kreuzzug teilgenommen hat, ist indes anzunehmen, aber hierzu fehlen die Quellen. Möglich ist es dass, der Autor einen anderen Kriegszug gemeint haben könnte, aber dieser hätte sicher keinen Einfluss auf die Zielrichtung der Hussiten im Frühjahr 1432 gehabt.
Als Fazit bleibt, wenn nichts Neues zu Tage kommt, dass der Feldzug im Frühjahr 1432, nach aller Wahrscheinlichkeit der Versorgung des hussitischen Heeres und der Demonstration innerer Geschlossenheit der Hussiten gedient hat.
Zum Verlauf des Zuges der Hussiten gibt es wenig gesicherte Daten. Ich beziehe mich hier auf Prof. Dr. Jecht „Der Oberlausitzer Hussitenkrieg und das Land der Sechsstädte unter Kaiser Sigismund“. Jecht hat hier sowohl Sello als auch Görlitzer zusammengefasst.
Im März 1432 begannen die Hussiten in die Lausitz einzufallen. In zwei Heeresverbänden bewegten sie sich durch das Land. Durch schnelle Truppenverschiebungen gelang es den Hussiten, auf der einen Seite ihre Gegner daran zu hindern sich zu formieren und auf der anderen Seite eine Bedrohungslage zu schaffen, die ihre Gegner dazu brachte sich mit ihnen gütlich zu einigen. Somit erreichten die Hussiten ihr wahrscheinliches Ziel, nämlich sich ihren Rücken freizuhalten.
Das Heer versammelte sich nun bei Guben, wobei ihnen die Stadt die Türen öffnete, um einer Plünderung zu entgehen.
Am 6 oder 7. April erschienen die ersten Hussiten südlich von Frankfurt. Um welche Truppen es sich dabei handelte bleibt unklar. Nachdem einige Orte in der Umgebung von Seelow angegriffen wurden, bezogen diese Truppen bei Müllrose bzw. in Müllrose Stellung. Diese Gruppe wurde von den Frankfurtern angegriffen, dabei verloren die Hussiten fast 300 Mann. Diese Ereignisse werden in einem Brief des Vogtes der Neumark an den Hochmeister wie folgt beschrieben: „Das die ketczere iczund zu Gobin und doselbest umme lang ere gelege haben. Und weren am montage (7 April) negest vorgangen herab gerugket wol halbwege ken Franckenfort zu Selow, das sie gepochten dem hern bischophe von Lubus, und sunte Johannis orden gepochten eynen gutten hoff und eyne stat genant Milraze. Do wurden die von Frankfort und ander erbar lute gereit zug und beste have dirniddergeleet, also das der ketczer bie drenhundert sint geblebin, die tod sint geslagen und vorbrant, sunder die von Frankfort mit eren helferen die zit nicht wen eyen man haben verloren.“
„Und sind am Montag (7. April) auf dem halben Wege zwischen Frankfurt und Seelow vorgerückt. Dort haben sie (die Hussiten) den Bischoff von Lebus, einen Hof der Johanniter und eine Stadt Milraze (Müllrose) angegriffen. Da (in Müllrose) wurden sie von Frankfurtern und anderen ehrbaren Leuten angegriffen, so dass die Ketzer an die 300 Leute verloren haben, die erschlagen oder verbrannt sind, Ohne das die von Frankfurter einen Mann verloren haben.“
Dieser Brief lässt den Schluss zu, dass die Hussiten schon in ihrem ersten Anlauf in Richtung Lebus vorgerückt sind und dann wieder Richtung Süden gezogen sind. Dabei werden sie wohl auch in der Nähe von Frankfurt vorbei gezogen sein, da der kürzeste Weg von Lebus nach Müllrosse direkt an Frankfurt vorbei führt. Erstaunlich ist das Tempo mit dem dieser Vorstoß vorgetragen wurde. Die kürzeste Verbindung der angegebenen Orte wäre ca. 120 km, dabei wurden noch die Ortschaften angegriffen. Wenn also Jecht Recht hat und der Angriff auf Müllrose am 10. April stattfand, ist das eine erstaunliche Leistung dieser hussitischen Abteilung. Für andere Feldzüge beschreibt Jan Durdik in seinem Buch „Hussitisches Heerwesen“, dass die Hussiten ihre leichte Reiterei oft als Vorhut vorausschickten, um das Umfeld zu erkunden. Dies könnte die Geschwindigkeit des Trupps erklären, aber zu regelrechten Plünderungen kann es in diesen Falle nicht gekommen sein, so dass die Ausschmückungen von Herrn Trebbin über „die mit Beute Beschwerten“ wohl kaum zutrifft. Es wäre durchaus möglich, dass sich die Vorhut nach Müllrose begeben hat, um die Ankunft des Hauptheeres zu erwarten. Der Angriff der Frankfurter am 10. April machte dies aber zunichte. Der am 13. April ausgeführte Angriff auf Frankfurt und der weitere Feldzug der Hussiten, lassen darauf schließen, dass der Verlust der 300 Männer dem Feldzugsplan nicht weiter geschadet hat.
Am 13. April erscheint das Hauptheer der Hussiten vor Frankfurt und zerstörten die Vorstadt. Von einer Belagerung kann in diesem Zusammenhang nicht gesprochen werden, da die Angreifer schon am nächsten Tag (dem 14. April) vor Lebus auftauchen und den Ort vollkommen zerstörten. Am 17. April werden Müncheberg und Buckow Opfer der Angriffe, am 18. April Straußberg. Um den 20. April lagern die Hussiten bei Gersdorf (in der Nähe von Freienwalde und Eberswalde), dabei wir das Feldlager mit einer Größe von 5000 Mann angegeben.
Nach dem Abbruch des Feldlagers beginnt die südwärts Bewegung der Hussiten. Für den Richtungswechsel gibt es keinen eindeutig genannten Grund. Zwei Ursachen spielen dabei sicher eine große Rolle. Ersten wird den Hussiten nicht verborgen geblieben sein, dass Johann von Hohenzollern Anstrengungen unternommen hat um sich den Hussiten entgegen zu stellen. Zweitens soll es den Hauptleuten ermöglicht werden an den Verhandlungen in Eger teilzunehmen.
Am 23. April kamen die Hussiten vor Bernau. Es wird gemutmaßt das es sich nur um Teile der Hussiten gehandelt habe aber diese Vermutung wird durch nichts untermauert. Da sich das Heer bei Gersdorf gesammelt hatte ist es durch auch möglich, dass es sich um das gesamte Heer der Hussiten gehandelt haben könnte. Der genaue Verlauf der Ereignisse vor Bernau lässt sich schwer ergründen. Sicher ist, dass die Stadt selbst keinen großen Schaden genommen hat, das Sankt Georg Hospital vor dem Mühlentor wurde zerstört und es ist auch von einem Angriff auf ein hölzernes Bollwerk vor der Stadt die Rede. Unstrittig ist auch das die Hussiten ohne weiteres weiter gezogen sind. Ob sie am 24. April Werneuchen und Altlandsberg verwüstet haben ist nicht ausgeschlossen aber auch nicht zu beweisen.
Der weitere Rückmarch wurde nicht behindert, so dass die Hussiten nach dem 5. Mai wieder in Böhmen angekommen sind.
— Holger Herzog 2010/07/08 09:20