Die Bethlehemkapelle in Prag

Nachdem Militschs „Jerusalem“ durch Denunziation und den darauffolgenden Untersuchungen und durch Verfügung Karl IV. am 17.12.1374 an den Zisterzienserorden gekommen war, verschwand ein Symbol der Reformbewegung in Böhmen. Das Vorbild Militschs und die Ziele einer Erneuerung der Kirche sowie die tschechischen national Bestrebungen lebten weiter. Nach den Erfahrungen, die man mit dem „Jerusalem“ machen mußte, waren die patriotischen Reformkreise bestrebt, ein neues Zentrum zu schaffen, daß es aber besser gegen Angriffe von außen zu schützen galt. Die Stiftung und der Bau einer Kapelle, die der tschechischen Sprache vorbehalten war, wurde zu einer kollektiven Leistung. Zwei Namen sind dabei hervorzuheben: Der Krämer Kriz (dt. Kreuz) als eigentlicher Gründer der Kapelle und Hanusch von Mühlheim als Vermittler zwischen Kriz und den offiziellen Vertretern von Krone und Klerus. Kriz war ein Mann von großem Reichtum mit umfangreichem Grundbesitz in der Prager Altstadt.

Für die zu schaffende Kapelle wählt er eine Parzelle in der meist von Tschechen bewohnten südwestlichen Altstadt, die überdies den Bewohnern der Neustadt einen günstigen Zugang ermöglichte. Da aber der Platz noch nicht ausreichend war, erwarb Kriz noch zusätzliches Baugelände. Ein Teil des erworbenen Baugrundes war öffentlich und auf diesem war ein öffentlich zugänglicher Brunnen. Dieser mußte auch nach dem Bau der Kapelle weiterhin zugänglich bleiben. Dem Pfarrer der angrenzenden Kirche St. Philippus und Jacobus wurde eine finanzielle Entschädigung in Aussicht gestellt, wodurch er keinen Widerstand leistete. Dieses Verhalten zeigt auch wieder das wirtschaftliche Verhalten der Pfarrer, die Konkurrenz meist nicht duldeten oder wie in diesem Fall nur nach Entschädigung. Nach der Fertigstellung durfte in der Kapelle auch nur zu Zeiten gepredigt werden, in welchen diese den anderen Kirchen nicht die Gläubigen abspenstig machte. Nachdem alles geregelt war, konnte nach 3jähriger Bauzeit am 25. Oktober 1394 die Kapelle eingeweiht werden. Der Bau war in seiner Ausführung bescheiden, doch die Fläche von 798 m² gab ca. 3000 Zuhörern Platz. Die Kapelle der unschuldigen Kinder, genannt Bethlehem, war eine der ersten Predigerkirchen in Europa. Bethlehem ist dabei als „Haus des Brotes“ bzw. „Brot des Le-bens“ zu verstehen, als Ort der geistigen Speise. Durch Kriz, der bis zu seinem Tod unermüdlich um den Ausbau der Bethlehmskapelle bemüht war, erhielt die Kapelle weitere zugehörige Räumlichkeiten.

Besonderheiten des Baus sind die allgemeine schlichte Bauausführung, der Zugang zur Kanzel über das Malzhaus (Mázhaus) und der Brunnen direkt im Gotteshaus. Weiterhin gehörten noch die Wohnräume des Verwesers und Teile des Wohnhauses von Kriz zur Kapelle. Das Wohnhaus von Kriz war durch einen hölzernen Gang mit der Kapelle verbunden, so daß Kriz einen privaten Zugang von seinem Haus in der heutigen Husstraße besaß. Ursprünglich wa-ren wahrscheinlich keinerlei Verzierungen an den Wänden, später ließ Hus die Wände mit Inschriften versehen. Wahrscheinlich waren es der Text „Über die sieben Irrlehren“ in lateini-scher Sprache, die zehn Gebote und das Glaubensbekenntnis in Tschechisch. Jakobell von Mies ergänzte zwei Texte, einen über den Laienkelch und einen über die Kinder-Kommunion. Heute sind Darstellungen aus dem Leben von Hus und aus der hussitischen Bewegung an den Wänden. Die Besetzung der Priesterstelle gestaltete sich schwierig, so daß es in der heutigen Forschung verschiedene Meinungen über den ersten Prediger zu Bethlehm gibt. Stekna war der Wunschkandidat von Kriz, dieser wurde aber vom Konsistorium abgelehnt. Möglicherweise war Johannes Protiva aus Neudorf der erste Pfarrer, Stefan von Kolin folgte. Dritter Prediger wurde 1402 Johannes Hus, durch seine Predigten erlangte die Bethlehemkapelle ihre für die hussitische Bewegung so wichtige Bedeutung. Im April 1411 wurde Nikolaus von Miltschin zweiter Prediger von Bethlehm. 1521 war Thomas Müntzer für kurze Zeit in Prag und predigte mit Hilfe eines Dolmetschers in der Kapelle. 1786 wurde die Kapelle abgerissen und 1950 - 1953 im ursprünglichen Zustand wieder aufgebaut.

Siehe auch:

Das hussitische Heer

der_laienkelch

huss_johannes

hussiten_zeittafel

hussitische_symbole

hussitischen_revolution


Autor: Holger Herzog; Trivium

 
die_bethlehemkapelle_in_prag.txt · Zuletzt geändert: 2011/01/31 16:03 (Externe Bearbeitung)
 
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