Brüder im Feuer

Festspiel zum Hussitenfest 2005 in Zusammenarbeit mit Trivium aus Bernau.

Buch: Holger Herzog (alle Recht am Stück beim Autor)

Regie: Victor Choulman

1.Szene (Nova Ves, 1420) Der Überfall Maifest in Nova Ves!

Im böhmischen Nova Ves, nahe der Grenze zu Sachsen, feiert die Dorfbevölkerung den beginnenden Frühling. Es wird getanzt, der Maibaum wird aufgestellt und eine Tafel. Beim Tanz überreicht Hynek seiner Sofia ein Geschenk als Zeichen seiner Liebe. In diesem Moment stürmen Bewaffnete aus dem Sächsischen auf den Platz und plündern das Dorf. Sofia wird entführt, Hynek versucht, Sofia zu befreien, wird aber niedergeschlagen. Nachdem die Angreifer abgezogen sind, erscheint der Besitzer des Dorfes, Zbynek, ein Kleinadliger. Er wird über die Vorgänge aufgeklärt. Wenig später kommt Maria, die Frau Zbyneks. Maria ist ein Anhänger der Glaubenslehre des Johannes Hus. Sie sieht im Angriff der Sachsen einen Angriff auf den neuen Glauben in Böhmen. Sie beschließt, nach Hradiste auf den Berge Ta-bor zu gehen und fordert alle Anhänger des Jan Hus, mit ihr zu gehen. Durch Marias Worte sieht Hynek in Hradiste die Möglichkeit, irgendwann Sofia wiederzufinden.

Christian: Da hat sich ja ein ganz besonderes Täubchen im Stroh versteckt. Lachen und Johlen von den übrigen Soldaten. Die Dorfbewohner werden aufmerksam.

Hauptmann: Na, dann bring das Vögelchen mal her!

Hynek: Sofia!

Sofia: Hynek!

Hynek wirft sich den Wachen entgegen, wird von seinen Leuten zurückgehalten und von den Soldaten in Schach gehalten.

Pavel: Halt den Mund, du kannst ihr nicht helfen. Er hält Hynek den Mund zu.

Hauptmann: geht auf Sofia zu und faßt sie an das Kinn, als schätzt er sie ab. Nett! Schätzt Sie nochmal ab Kannst sie behalten, Christian, du warst recht brauchbar die letzten Tage und jetzt geht es sowieso nach Hause. Mach mit ihr, was du willst!

Hynek: Flucht und beschimpft die Soldaten Löst sich und wird niedergeschlagen!

Hauptmann: Abmarsch!

Die Soldaten, die Gegenstände in der Hand haben, gehen ab.

Sofia: Hynek, tu doch was, bitte!

In Rüstung erscheint Herr Zbynek, der Besitzer des Dorfes, mit seinen Männern. Die Dorf-bewohner deuten eine Ehrenbezeugung an. Zbynek betrachtet die Szene.

Zbynek: mit fester Stimme Pavel, wie schlimm ist es diesmal?

Pavel: Hier ist es schlimm, sehr schlimm. Herr Zbynek, in eurem Dorf ist nichts mehr von Wert, was man wegtragen könnte. Wir wissen noch nicht, wie es drüben in Borislav aussieht, aber hier verhungern jetzt die Mäuse.

Zbynek: Wie viele waren es?

Pavel: Als die Deutschen über den Paß kamen, waren es um die 20 zu Pferde und 100 zu Fuß und drei oder vier Wagen.

Maria, deutlich besser, aber schlicht gekleidet, betritt unbemerkt die Bühne. Sie ist deutlich bestürzt.

Maria: nimmt Hynek an den Händen. Der Herr wird uns alle trösten, denn selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

Zbynek: Was machst du hier, Maria?

Maria: Als deine Frau wollte ich mit eigenen Augen sehen, was diese Helfer der Antichristen angerichtet haben.

Die Dorfbewohner verlieren das Interesse am Geschehen und gehen ihrer Arbeit nach, sie räumen beim Gehen alles von der Bühne.

Zbynek: Helfer des Antichristen? Das waren unsere lieben Nachbarn und so was gehört wahrscheinlich bei denen in Meißen zum guten Ton. Göttliche Wahrheit, Lex Dei - Gottes Gesetz und natürlich der Antichrist. Bei Gott, du redest wie dein Priester Jakob!

Maria: Leugne du doch die Wahrheit! Es ist deine Seele! Aber früher kamen die Meißner einmal in fünf Jahren, seit man den Magister Hus verbrannt hat, kommen sie fünfmal in einem Jahr. Der Verräter und Mörder Sigismund will die Wahrheit in Böhmen vernichten und die großen und kleinen Herren aus Sachsen und Bayern wollen unseren Besitz.

Zbynek: Flausen sind das und allesamt hat sie dir dieser verdrehte Jakob eingegeben. Aber wo ist er hin, er hat seine Gemeinde verlassen, ist einfach weg!

Maria: Er ist nicht einfach weg, er ist nach Hradiste zum Berg Tabor gegangen, dort versammeln sich die, die der Wahrheit folgen wollen. Und es werden viele sein, sie werden sich erheben und die Antichristen vernichten. So wie diese deutschen Teufel noch heute in unse-rem Dorf waren, werden wir sie aus ihren eigenen Dörfern vertreiben. … Ja, wir werden sie vertreiben, denn ich werde auch nach Hradiste gehen!

Zbynek: Geh doch, wohin du willst! Aufräumen! geht ab

Hynek: Und in jedes Dorf gehen und sie vernichten?

Maria: Ja, es wird ein Heulen und Zähneklappern sein!

Hynek: Laßt mich mit euch gehen! In einem dieser Dörfer werde ich Sofia wiederfinden.

Maria: Wenn du der Wahrheit folgst, wirst du sie sicher wiederfinden.

Hynek: Aber was ist denn die Wahrheit?

Maria: Wie heißt du?

Hynek: Hynek!

Maria: Hynek, die Wahrheit kommt von Gott und sie steht in der Bibel. Vor Jahren hat Ma-gister Jan Hus dies erkannt und er hat es den Menschen von der Kanzel in Prag erzählt.

Hynek: Aber die Bibel ist so alt, hat es denn keiner vor Jan Hus gesehen?

Maria: Das kann ich dir nicht sagen, aber die Menschen haben in all der Zeit so viele neue Auslegungen hinzugefügt, daß heute keiner mehr das göttliche erkennt. Magister Hus hat gepredigt, daß wir alles wegwerfen sollen, was nicht in der heiligen Schrift steht und wir so dem Wort Gottes und somit der Wahrheit folgen. Für diese Worte ist der gute Jan Hus von den Gegnern der Wahrheit verbrannt worden.

Hynek: Frau Maria, als Herrin unseres Dorfes redest du so? Wenn also jetzt das wahr wird, was der Priester von der Kanzel spricht, dann ist es ein Grund mehr, mit euch zu gehen.

Maria: Hynek, so frag unter den Leuten des Dorfes, ob es noch mehr gibt, die der Wahrheit folgen wollen, so daß wir bald aufbrechen können!

Hybek: Nach Hradiste!

2.SZENE (Auf dem Weg nach Hradiste, 1420)

Auf dem Weg nach Hradiste

Auftritt Marek Klic (Schlüssel), Jan Nuz (Messer), Petr Liska (Fuchs). Die drei Straßenräuber überfallen den Zug derer, die aus Nova Ves nach Hradiste aufgebrochen sind. Von den Über-fallenen erfahren die Drei, daß viele nach Hradiste unterwegs sind, um sich dort zu versam-meln. Auch Adlige wie Jan Zizka von Trocnov sind dort, um für den gemeinsamen Glauben zu kämpfen. Klic, Nuz und Liska gehören zu den Gefährten aus Zizkas Jugend. Sie verspre-chen eine gute Aufnahme in Zizkas Heer und reiche Beute.

Klic, Nuz und Liska kommen auf die Bühne (text ironisch)

Klic: Oh, welch irdisches Jammertal müssen wir durchschreiten.

Nuz: wirft sich vor Liska auf die Knie Oh führe uns auf grünen Auen!

Klic: wirft sich auch hin … und zu frischen Wassern, es kann auch Bier sein, bitte!

Nuz: So es kein Schinken ist, laß es Speck sein, bitte!

Liska: Ach, ihr lieben Brüder! Heuschrecken haben das Land Ägypten verwüstet!

Nuz: So wird es nun finster?

Klic: Oh, schütze uns!

Liska: Ja, in den Meißner Heuschrecken haben wir unsere Meister gefunden. Man könnte ja fast versucht sein, den Bauern noch was von dem abzugeben, was man selbst gerade noch hat. Klic und Nuz: Bist du wahnsinnig!

Nuz: Der Hunger vernebelt ihm die Sinne!

Kilc: Es geht zu Ende!

Liska: Still, da kommt jemand!

Die Drei verstecken sich

Maria, Hynek und noch drei Leute kommen.

Pavel: Warum läßt aber Gott sowas zu? Wenn der Magister Hus die Wahrheit erkannt hat, warum beschützt ihn Gott nicht?

Maria: Dies ist ein Zeichen, und eine Prüfung für uns. Die Flammen des Scheiterhaufens in Konstanz sollen uns wach rütteln. Es ist wie … Die Drei springen aus ihren Verstecken. Sie bedrohen die Leute mit Schwertern.

Klic: Halt!

Nuz: Ja, Halt!

Hynek: Was wollt ihr von uns?

Liska: Wegzoll; dies ist unsere Straße.

Maria: Sehen wir aus, als könnten wir euch was geben?

Liska: Ein jeder hat etwas und wenn es nur sein Leben ist.

Hynek: So seid ihr also Diebe und Mörder!

Nuz: So gesehen?

Klic: Petr, darf der so was zu uns sagen?

Liska: Wir sind Zöllner!

Maria: Wir sind Pilger und somit frei von Zöllen!

Liska: Und wo geht die Reise hin?

Pavel: Nach Hradiste.

Hynek: Zum Berg Tabor!

Nuz: Nie gehört!

Klic: Die wollen mit uns Schlitten fahren!

Nuz: Ohne Schnee!

Maria: Nach Tabor gehen die Tschechen, die den göttlichen Geboten der Bibel folgen wollen. Knechte, Mägde, Freie und sogar Edle. Keiner fragt, woher der andere kommt und welchen Standes er ist. Alle wollen wir der Wahrheit dienen. Es gibt keine Herren und keinen Besitz. Alles Geld kommt in ein großes Faß, das auf dem Marktplatz steht.

Kilc: Das Faß will ich sehn!

Nuz: Sehn?

Liska: In Tabor macht sich also der Edle mit dem Bauern gemein!

Hynek: Ja! Selbst der ehemalige Hauptmann der Königin Jan Zizka ist in Hradiste!

Liska, Nuz und Kilc: Zizka?

Liska: Ihr wollt also zu Johann Zizka von Trocnov?

Alle: Ja!

Liska: Na da habt ihr aber Glück, wir wollen doch nicht, daß ihr nach…., wo wolltet ihr hin?

Hynek: Nach Hradiste auf den Berg Tabor!

Liska: Daß ihr nach Hradiste kommt und überall herumposaunt, der Liska spielt den Freunden des Herrn Zizka übel mit. Vor Jahren, zugegeben, es waren bessere Zeiten, da war der Zizka einer von uns. So sollt ihr weiterziehen! Wir erlassen euch den Zoll! Also los!

Maria, Hynek und die anderen ab!

Nuz: Zizka, der alte Gauner!

Klic: Läßt sich ein Faß mit Groschen füllen!

Liska: Ja, der legt sich sicher nicht mehr mit uns auf die Lauer, um den fetten Kaufleuten die Beutel zu erleichtern.

Klic: Seit Jan mit nach Polen gegangen ist, um den Deutschorden so richtig auf den Topfhelm zu schlagen, ging es mit uns bergab.

Liska: Konnte ich denn damals wissen, daß dieser Feldzug der Polen ein Erfolg wird. Keiner hatte geglaubt, daß die Deutschen zu schlagen sind, aber dem Polenkönig ist es gelungen und Zizka stand an seiner Seite.

Nuz: Als einem Helden von Tannenberg standen Zizka dann eben alle Tore in Prag offen.

Liska: Ich mach keine Fehler zweimal. Wo Zizka ist, kann es jetzt nicht verkehrt sein. Wir gehen auch nach Hradiste!

Klic: Hier ist sowieso nichts mehr zu holen!

Klic und Nuz: Nach Tabor!

Alle ab!

3. SZENE (Hradiste auf dem Berge Tabor, 1420)

Ankunft in Tabor: Auf dem Platz steht ein großes Faß, in das alle Neuankömmlinge ihren Besitz hineinlegen. DerPriester Jakob von Borislav begrüßt die Neuen. Maria kommt mit den Leuten aus Nova Ves auf den Platz. Nachdem Maria auch ihre Wertsachen in das Faß gelegt hat, kommt es zur Begegnung zwischen Jakob von Borislav und Maria. Jakob ist der Prieser, der sie mit den Lehren des Jan Hus vertraut gemacht hat. Auch Nuz, Klic und Liska sind in Hradiste angekommen.

Martin: Willkommen, liebe Brüder und Schwestern in Jesu!

Jakob: So wie Barak mit zehntausend Männern auf den Berg Tabor zog, um Sisera den Feldhauptmann des Königs von Kanaan zu erwarten, seid ihr nach dem neuen Tabor gezogen.

Martin: Der König von Kanaan, der heute der König der Römer ist, versucht das Volk der Gerechten mit Gewalt zu unterdrücken. Doch wenn die Zeit ist erfüllt, und diese Zeit ist nahe, dann werden wir vom Berg Tabor hinab steigen und Jabin, der sich jetzt Sigismund nennt, vernichten.

Jakob: Willkommen, liebe Brüder und Schwestern in Jesu! In der Gemeinde, liebe Brüder, haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person. Denn wenn in eure Versammlung ein Mann käme mit einem goldenen Ring und in herrlicher Kleidung, es käme aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung und ihr sähet auf den, der herrlich gekleidet ist, und sprächet zu ihm: Setze du dich hierher auf den guten Platz! Und sprächet zu dem Armen: Stell du dich dorthin! Oder: Setze dich unten zu meinen Füßen! Ist's recht, daß ihr solche Unterschiede bei euch macht und urteilt mit bösen Gedanken? Hört zu, meine lieben Brüder! Hat nicht Gott erwählt die Armen in der Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verheißen hat denen, die ihn lieb haben?

Martin: Willkommen, liebe Brüder und Schwestern in Jesu! So tretet vor, nennt euren Namen und leget ab euren Schmuck und euer Geld, denn diese bedürft ihr nicht auf dem Berge Tabor.

Jakob: Lobet den Herrn, daß Israel wieder frei ist geworden und das Volk willig dazu gewesen ist. AMEN!

Eine Alte Frau tritt zum Schreiber vor: Helena Sie legt eine Halskette ab und gibt Jakob eine Halskette. Ein besser gekleideter Mann geht vor: Jindra aus Kumotov. Er schüttet einen Geldbeutel im Faß aus

Maria tritt aus der Masse

Jakob tritt auf sie zu: Maria, welch eine Freude. Du bist dem Ruf der Wahrheit gefolgt.

Maria: Jakob! Ja, ich habe es nicht mehr ausgehalten. Ich mußte hierher kommen, ich wollte es mit eigenen Augen sehen. Wir bauen das Reich Gottes.

Jakob: Es sind so viele gute Menschen hier. Gott verleiht allen Kraft, so viel wurde schon getan und so viel ist noch zu tun.

Maria: Du mußt mir alles zeigen, ich will alles sehen.

Maria und Jakob gehen ab.

Hynek geht vor: Hynek.

Klic, Nuz und Liska stehen etwas abseits. Lautlos geht die Eintragung im Hintergrund weiter.

Klic: Seht ihr das Faß? Dieses schöne Faß!

Liska: Wir sind doch nicht blind!

Nuz: Wie viele Schock Groschen das wohl sind?

Klic: Gibt es in Gottes großer Welt etwas Schöneres als dieses Faß? Oh, es gibt hier Priester genug, ich werde auf der Stelle dies Fäßchen heiraten.

Nuz: Willst Du, Klic, dieses Faß voll böhmischer Groschen lieben und ehren, bis daß der Tod euch scheide?

Klic: Ja! Ich will!

Liska: Haltet die Klappen! Unsere Brüder und Schwestern werden sonst aufmerksam. Alles hat seine Zeit. Für hier und jetzt sind wir die gottesfürchtigsten Geschöpfe unter der Sonne!

Klic: Ah … ja!

Nuz: Amen.

Liska geht zu Schreiber: Petr Liska.

Alle ab!

4. SZENE (Hradiste auf dem Berge Tabor, 1420)

Auf demselben Platz, wie in Szene 3, stehen viele Menschen beiderlei Geschlechts. Auf einer Erhöhung stehen Jakob, Martin Loquis, Nikolaus von Pilgram, Nikolaus von Hus, Zbynek von Buchov und Chval von Machovice und Zizka von Trocnov. Es wird bekannt gegeben, daß Sigismund Prag bedroht und somit Prag jede Hilfe braucht. Mitten in der Rede des Nikolaus von Hus erscheint Herr Zbynek in Rüstung mit einigen gut ausgerüsteten Leuten. Er schließt sich unter Beschreibung der Lage an der Grenze dem Zug nach Prag an. Nikolaus von Hus, Zbynek, Chval und Zizka werden zu Hauptleuten gewählt.

Nikolaus v. Pilgram: Liebe Brüder: Ach HERR, wie sind meiner Feinde so viel und erheben sich so viele gegen mich! Viele sagen von mir: Er hat keine Hilfe bei Gott. Aber du, HERR, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre und hebst mein Haupt empor. Ich rufe mit meiner Stimme zum HERRN, so erhört er mich von Seinem heiligen Berge. Ich liege und schlafe und erwache; denn der HERR hält mich. Ich fürchte mich nicht vor vielen Tausenden, die sich ringsum wider mich legen. Auf, HERR, und hilf mir, mein Gott! Denn du schlägst alle meine Feinde auf die Backe und zerschmetterst der Gottlosen Zähne. Bei dem HERRN findet man Hilfe. Dein Segen komme über dein Volk!

Die gute Stadt Prag in allen drei Teilen ist bedroht durch die Feinde der Wahrheit. Der König der Römer, Sigismund, ist gekommen, um uns den Kelch zu entreißen und nach unserem Meister Jan Hus uns zu verbrennen. Die Räte von Prag haben uns geschrieben und bitten uns als Brüder im Glauben um Beistand. So daß wir uns stark an Geiste und Körper wappnen werden, um nach Prag zu eilen und den Antichrist zu vertreiben.

Martin: Wie ihr wißt, müssen wir noch die Hauptleute der Viertel bestimmen. So der Erste, Nikolaus von Hus. Jubel Gibt es Einsprüche? So nicht, so sei Nikolaus von Hus bestimmt. Zum anderen Zbynek von Buchov. Jubel Gibt es Einsprüche? So nicht, so sei Zbynek von Buchov bestimmt. Zum Dritten Chval von Machovice. Jubel Gibt es Einsprüche? So nicht, so sei Chval von Machovice bestimmt. Zum Vierten Zizka von Trocnov. Jubel Gibt es Ein-sprüche? So nicht, so sei Zizka von Trocnov bestimmt.

Zbynek kommt mit gerüsteten Leuten auf den Platz. Maria geht auf ihn zu:

Maria: Zbynek! Du kommst nach Tabor?

Zbynek: Wo soll ich sonst hin?

Maria: Welch ein Glück, du bist auch dem Wort Gottes gefolgt.

Zbynek: Da muß ich dich enttäuschen. Als erstes bin ich Tscheche und unserem Böhmischen Land wird Gewalt angetan. Ich bin da, wo sich Tschechen gegen die Eindringlinge versammeln.

Zbynek schiebt sie beiseite.

Zbynek: Seid gegrüßt, liebe Leute. Ich komme aus dem Grenzland zu Meißen. Unglaubliches geht da vor. Das Kriegsvolk verzehrt alles im Schlund des Feuers, sie machen keinen Unterschied zwischen Freund und Feind. Sie vergewaltigen Mädchen und Frauen, sie sind schlimmer als die Heiden. Es ist das Heer des deutschen Königs Sigismund, er will mit Macht die Böhmische Krone! Tumult

Martin: Sigismund, Du Fürst ohne jedes Gefühl! Warum verfolgst du wie ein Heide deine Landeskinder, die du schützen müßtest, warum läßt du nicht ab, das eigene Nest durch Be-schmutzen zu besudeln, warum hörst du nicht auf, das Blut Unschuldiger zu vergießen? Warum verlangst du die auszurotten, die sich im Kampf für das Gesetz ihres Gottes dir entgegenstellen? Warte nur eine Weile und sieh zu, denn der Herr wird denen, die ihn fürchten, Hilfe bringen und dich, der du auf die Vielzahl der Völker vertraust, mit einer Schar nur Weniger niederwerfen und zur Flucht kehren, und anstatt des wahrhaftigen Kelches des Blutes Christi, den du in seinem Gläubigen verfolgst und zu vernichten dich unterfängst, werden in einer kurzen Spanne Zeit reißende Hunde das Blut deiner grausamen Ungeheuer lecken! Nimm es dir also zu Herzen und erkenne, daß es für dich schwer ist, gegen den Stachel aus-zuschlagen und höre auf, soviel und so Böses zu verüben, wenn einst sich deiner Gott erbarmen und deine Unrechtstaten dir vergeben könnte! Auf nach Prag!

Nuz: Uh! Das gibt stark!

Klic: So kommen wir nie an das Faß.

Liska: Aber wir kommen nach Prag und die Häuser werden offen stehen, wenn alle auf den Zinnen sind.

Klic: Prag ist ein großes Faß!

Liska: Auf nach Prag!

Alle ab!

5. SZENE (Hradiste auf dem Berge Tabor, 1421)

Es ist ein Jahr vergangen. In Tabor treffen sich Maria und Jakob. Durch ihr Gespräch erfährt man den Verlauf der Ereignisse des letzten Jahres. Die Niederlage am Vitkov, der stän-dige Krieg, die Pikarden in Tabor. Maria gesteht Jakob ihre Liebe. Doch Jakob will nach Beroun zu Zizka gehen, um mit ihm gegen die Pikarden vorzugehen. Maria will ihm folgen.

Maria und Jakob kommen auf den Platz in Hradiste. Mädchen tanzen.

Jakob: He Ihr, was soll dies gottlose Treiben? Was folgt nach dem Tanzen? Würfelspiel? Das sind Sünden! Wir bauen den Staat Gottes und werden dies nicht dulden! Geht an die Ar-beit, es gibt genug zu tun!

Maria: Jakob, weißt du, was heute für ein besonderer Tag ist? Jakob verneint mit einer Geste.

Maria: Heute vor einem Jahr bin ich aufgebrochen, um hierher zu kommen. Hradiste auf dem Berge Tabor, ich kann es immer noch nicht ganz glauben.

Jakob: Glaub es! Denn es siegt überall die Wahrheit und kein Feind kann den Böhmen schaden.

Maria: Ach Jakob, ist es recht von mir, daß mich diese Siege nicht erfreuen. Überall verwüsten sie das Land. Vielen Bauern geht es schlimmer, als je zuvor. Nein, es sind andere Dinge, die mir das Herz erwärmen.

Jakob: Die Welt muß mit Feuer gereinigt werden und jeder, der zu Unrecht gelitten hat, wird seinen Lohn empfangen.

Maria: Predige doch nicht, nicht jetzt. Spürst du denn nicht, wie mir jedes Mal mehr das Herz im Halse schlägt, wenn wir uns sehen.

Jakob: Das ist Sünde!

Maria: So meine Gefühle rein sind, warum soll das Sünde sein.

Jakob: Du bist verheiratet und ich diene am Altar des Herrn.

Maria: Alles ändert sich, waren denn die ersten Priester unverheiratet, durften sie nicht lieben? Alle Welt will zurück zur Kirche der Urväter. So jeder gute Christ ein Priester ist, darf denn keiner mehr lieben und geliebt werden. Ist darum so ein Morden überall?

Jakob: Was du sagst, ist Ketzerei, die dir eingegeben wurde von den Pikarden. Dieser Martin Loquis richtet so viel Unheil an. Selbst du, die der Wahrheit so ergeben ist, verfällst diesem Ketzer. Das sind verdrehte Lehren, die uns direkt in die Verdammnis führen.

Maria: Ich benötige diesen Martin Loquis nicht. Du hast mir die Schriften von Magister Hus gegeben und du warst es auch, der mir gesagt hat, ich soll die Wahrheit in der Heiligen Schrift suchen. Ich habe einen eigenen Kopf! Und ich habe Augen zum Sehen. Als wir hier ankamen, haben wir all unseren Besitz abgegeben und der, der uns allen in die Herzen schauen kann, weiß, wir haben es mit Freuden getan. Jetzt aber verlangen die HERREN des Berges Tabor Abgaben von den Bauern, die der Stadt Untertan sind. Wo ist denn die neue Gerechtigkeit?

Jakob: Ja, Maria was verlangst du? Wir sind nur Menschen mit all den Fehlern, die an uns Menschen wie Pech haften. Willst du den ersten Stein werfen?

Maria: Ich versteh dich nicht? Du entschuldigst die Fehler der Menschen, aber verdammst meine Liebe zu dir als Ketzerei.

Jakob: Wir haben unsere Ziele, aber die Welt können auch wir nicht von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellen. So lange noch viele in den alten Zeiten verharren und das Land im Krieg ist, müssen wir kleine Schritte machen. Wir müssen die Gemeinschaft suchen, nicht trennen. Die Pikarden mit Martin Loquis verwirren die Menschen mit ihren Taten und zerstö-ren die Gemeinschaft.

Maria: Das Große kannst du ja gut erklären, was soll ich denn nun mit dem Gefühl in mei-nem Herzen?

Jakob: Immer, wenn ich mein ´Vater Unser´ bete, bitte ich inständig drum, Vater führe mich nicht in Versuchung. Nun stehst du vor mir und mein Herz ist erfüllt mit der Liebe zu dir, aber tiefer kann der Höllenschlund nicht sein, in den ich blicke, sollte ich dieser Liebe nach-geben. Unsere Liebe kann auf Erden keine Erfüllung finden. Zu wissen, daß auch ich dich liebe und mich auch so schon um mein Seelenheil bringe, muß dir reichen. Ich werde morgen nach Luschnitz gehen. Kein Mensch weiß, was mich dort erwartet. Zizka wird bald dort ein-treffen, um die Ketzer zu fangen. Ich hoffe, daß es mir gelingt, einige zum Abschwören ihrer Irrlehre zu bewegen.

Maria: So werde ich dir folgen!

Jakob: Nein! Es wird gefährlich sein und wenn du mit mir kommst, werde ich auch dein Leben gefährden.

Maria: Du kannst mich nicht davon abhalten. Wenn dir etwas zustößt und ich muß weiter im Elend bleiben, könnte ich es nicht ertragen. Du hast sicher Recht, daß unsere Liebe auf Erden keine Erfüllung finden kann. So bange ich nicht um mein Leben!

Jakob umarmt sie, gehen ab.

6. SZENE: (Luschnitz, 1421)

In Luschnitz, ein geheimer Treff der Pikarden. Jakob, gefolgt von Maria, kommt in Verkleidung dazu und predigt gegen die Irrlehren, er wird angegriffen. Maria und Jakob werden getötet. Zizka kommt zuspät, nimmt aber alle gefangen und befiehlt, sie zu verbrennen. Zizka mißbilligt die Geschehnisse in Tabor und den Verfall der Sitten. Nuz, Klic und Liska sind unzufrieden mit der Lage. Herr Zbynek verläßt das Heer.

An einem großen Tisch sitzen Menschen beiderlei Geschlechts. Der Tisch ist wie zum Abendbrot gedeckt. Einige Menschen kommen noch auf die Bühne, unter ihnen auch Jakob und Maria. Beide haben Ihr Gesicht unter Kapuzen weitgehend verborgen. Am Kopfende sitzt Martin Loquis. Alle unterhalten sich. Martin steht auf.

Martin: Liebe Brüder und Schwestern. Wir haben uns hier im Geiste des wahren Gottes zusammengefunden. Von allen Seiten bedrängen sie uns. Sie wollen, daß wir von der uns bekannten Erkenntnis ablassen. Die falschen Taboritenpriester nennen uns Ketzer und Lügner, aber nennen die, die im alten Glauben verharren, diese nicht auch Ketzer. Wir lassen uns nicht beirren! Wir sehen ihre Taten! Wir sehen, wie sie wie die alten Priester Wasser predigen und Wein trinken. Ich selbst war in Prag, als dieselben Taboriten die Ornate der Priester als eitle Pracht aufgeputzter Dirnen nannten. Ja, sie sagten auch, daß jede beliebige Speise, Leib und Blut Christi ist, so der Mensch nur in der Gnade ist. Jetzt verfolgen uns dieselben Priester, die diese nur reden, aber im Geiste nicht rein sind. Ein Mann erhebt sich am Tisch.

Pikarde 1: Haben Sie nicht auch gesagt, daß die Menschen keine Abgaben mehr leisten sol-len und doch weiß ein jeder, daß die Taboriten von den Bauern die Abgaben einfordern, wie die alten Herren.

Ein anderer erhebt sich.

Pikarde 2: Wir werden nicht ablassen von der Wahrheit!

Allgemeine Zustimmung.

Martin: So segnen wir dieses Mahl. In Gedenken an den wahren Gott.

Jakob: Martin, halte ein. Du versündigst dich, ihr versündigt euch alle!

Pikarde 1: Wer bist du, daß du unseren Bruder Martin belehren willst?

Martin: Ich sage euch, wer das ist. Dies ist einer von diesen verlogenen Priestern. Dies ist Jakob von Borislav!

Ein Mann packt Jakob.

Maria: Jakob, laß uns weg von hier!

Martin: Und die da ist wohl seine Hure!

Jakob: Du lügst! Deine Lehren sind Lügen. Und deine Handlungen sind Ketzerei.

Pikarde 3: Der Leibhaftige spricht aus dir! Du kommst, uns zu verführen!

Martin: Du, Jakob, kennst die Artikel der Taboriten. Wir machen nichts anderes als das zu leben, was auch ihr gefordert habt. Wir gehen den Weg, den ihr nicht gehen wollt. Diese Pforte ist für euch zu eng!

Jakob: Leute, Martin ich beschwöre euch, laßt ab, so noch Zeit ist.

Pikarde 1: Hat nicht Magister Jan Hus gesagt, daß wir zurück müssen zur Urkirche.

Pikarde 2: Hat er nicht gesagt, daß die Mutter Kirche verfangen ist in Weltlichen Dingen.

Pikarde 1: Ist nicht jeder gute Gläubige auch ein Priester?

Pikarde 3: Sind nicht alle Dinge, die der Mensch der Kirche hinzugefügt hat, nutzlos?

Martin: Hörst du, Jakob?

Jakob: Martin, ich höre es und es entsetzt mich. Nicht alles ist so, wie es sein soll, aber wenn ein jeder Laie die Bibel auslegt, ohne Anleitung, was soll dann werden?

Martin: Wir führen die Kirche zurück zum Ursprung, ohne Rücksicht auf all die weltlichen Interessen.

Jakob: Du kannst nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Dann wirst du fallen. Fallen wirst du und alle, die dir folgen. Ein Mann (Pikarde 4) kommt hereingestürmt.

Pikarde 4: Die Leute von Zizka sind überall in den Wäldern rund um Luschnitz. Sie suchen uns. Jeden, den sie finden, zwingen sie abzuschwören. Sie verbrennen unsere Brüder.

Pikarde 2: Schaut euch diesen an! (er zeigt auf Jakob)

Pikarde 3: Er wird uns verraten.

Pikarde 2: Nein! Er hat sie sicher hierher geführt!

Martin: Jakob! Auge um Auge, Zahn um Zahn! Jeder Priester Christi und das sind all die im Glauben sind, hat in der Zeit der Rache erlaubterweise das Recht, die Sünder zu verwunden und mit dem irdischen Schwert zu töten.

Die Versammelten gehen auf Jakob zu. Maria schreit und stellt sich vor ihn. Beide werden erschlagen. In diesem Moment erscheinen die Taboriten mit Zizka. Martin und wenigen anderen gelingt die Flucht.

Zizka: Treibt die Ketzer zusammen.

Hynek betrachtet sich die Leichen.

Hynek: Mein Gott!

Die anderen treten zurück

Hynek: Frau Maria und der Priester Jakob!

Zbynek geht auf die Leichen zu, Hynek hält ihn auf.

Hynek: Nicht, Herr Zbynek, gehen Sie nicht hin.

Er drückt ihn beiseite und geht auf die beiden leblosen Körper zu. Er schaut und kniet sich hin.

Zbynek: So endet es nun, Maria. Was sind wir nur für Menschen? Die Wahrheit ist das höchste Gut, das waren immer deine Worte. Jetzt liegst du hier neben Jakob und eine Wahrheit wird kund, die in deinem Herzen war. Der Herr sei eurer Seele gnädig. Er steht entschlossen auf. Hynek, im Wald sind wir an einer Kapelle vorbeigekommen. Nimm ein paar Leute und einen Priester. Begrabt die beiden nebeneinander. Für mich ist dieser Krieg beendet.

Er geht auf Zizka zu.

Zbynek: Zizka, laßt mich ziehen. Gott weiß, hier muß es für mich enden.

Zizka: Herr Zbynek, ihr wart immer ein treuer Mitstreiter. Ich habe auch immer eure Entschlossenheit bewundert. Ich möchte euch jetzt nicht in Zwiespalt, zwischen Treue und euren Wunsch zu gehen, bringen. So entlasse ich euch und wünsche euch viel Glück! Sie geben sich die Hände.

Zbynek ab!

Zizka geht zu den Gefangenen und mustert sie.

Zizka: Bringt die gefangen Ketzer nach draußen. Fragt jeden, ob er abschwören will. Die nicht abschwören, steckt in Fässer und zündet sie an. Die Gefangenen werden abgeführt. Zizka bleibt mit einigen Vertrauten zurück. Bin ich der Henker der Priester? Da sitzen sie und streiten, und das seit Anbeginn des Krieges. Jeder weiß es besser wider den anderen. Wie ist mir das zuwider! Wir erschlagen mehr Tschechen als Eindringlinge. Die Katholiken lachen uns ins Gesicht! Und doch muß es sein. Wie wollen wir nach außen bestehen, wenn wir im Inneren gespalten sind? Wir formen ein Heer, das jede noch so große Armee schlagen kann und schlagen uns am Ende doch selbst. Letztlich bleibt uns nur, weiter zu machen und auf Gott zu vertrauen. Auf Gott zu vertrauen und sonst keinem. So werden wir die aufgestellte Heeresordnung auf das Strengste durchsetzen. Wenn es uns nicht gelingt, unsere Truppen in Ordnung zu halten, dann müssen wir untergehen. Nun denn, so müssen wir tun, was zu tun ist. Setzen wir die Suche nach den Ketzern fort. Sollten wir die Anführer finden, bringen wir sie nach Tabor.

Liska und Klic und Nuz stehen am Tisch.

Nuz: Fades Bier und dunkles Brot.

Klic: Schalen aus Holz und Becher aus Ton. Da lobe ich mir das katholische Abendmahl!

Nuz: Da gibt es wenigstens was zu holen.

Liska: Halt das Maul! Ich habe keine Lust, mit im Feuer zu enden.

Nuz: Ne, das ist nur was für Ketzer, uns hängen sie auf.

Liska: Bist du wahnsinnig?

Nuz: Ist doch wahr!

Alle ab!

7. SZENE (Vor Kutná Hora, 1422)

Tod des Liska. Nach einer Schlacht bei Kutná Hora sitzen Nuz, Klic und Liska und ein paar andere zusam-men. Sie unterhalten sich über ihre Ziele im und nach dem Krieg. Plötzlich kommt ein ver-wirrter, gut gekleideter Mann. Er ist auf der Flucht vor den Hussiten, Liska gibt sich für einen katholischen Ritter aus. Der Mann vertraut sich Liska an, er hat sein ganzes Vermögen bei sich. Liska erschlägt den Mann. Zizka kommt dazu, Liska wird erhängt. Zizka ernennt Hynek zum neuen Zehnerführer.

Abgekämpft kommen verschiedene Soldaten auf die Bühne. Einige führen Dinge mit, die sie vom Schlachtfeld genommen haben. Erschöpft machen sie Rast. Sie trinken, essen und einige betrachten ihre Beute.

Pavel: Na wenigstens hab ich ein Paar neue Stiefel. Die Alten waren durch. Schaut euch mal die Dinger an. Gute Arbeit!

Klic: Wie ein hoher Herr.

Pavel: Bei den Strecken, die wir laufen, sind gute Schuhe bald wichtiger als ein Schwert. Mit denen kannst du schneller rennen als die Kriegswagen. Da holt mich so schnell keiner ein.

Nuz: Das glaubst auch nur du. Deinem Vorgänger haben die auch nicht viel genützt.

Klic: Sonst wären die ja noch an dessen Füßen.

Nuz: Und er immer noch am Rennen!

Hynek: Euch habe ich noch nie schnell laufen sehen. Müßt ihr immer spotten?

Nuz: Mit Grütze im Bauch sitzt halt der Spott locker.

Hynek: Die Stiefel werden ihn nach vorn tragen, an unseren Feind. Es geht hier nicht darum, wie man an den nächsten gedeckten Tisch kommt! Wir sind Gottes Streiter, habt ihr das ver-gessen?

Klic: Ja, mit ein paar gebratenen Vögeln im Wanst würden auch unsere Gedanken höher fliegen!

Nuz: Du bist ja den Bauernfraß gewöhnt. Hast also gut lachen. Unsereins hat eben einen feineren Gaumen.

Hynek: Als Bauer weiß ich zumindest, daß man das Feld erst umbrechen muß und die Saat ausbringen, bevor man ernten kann.

Liska: Dann weißt du auch, daß, wenn die Saat geerntet ist, alle kommen, um sich bei dir zu holen, was sie meinen, das ihnen zusteht. Schau dir doch die fetten Prager an, die sind schlimmer als Nuz und Klic. Die warten, bis das Korn reif ist und fahren die Ernte selbst ein und wir haben nichts als das, was wir uns selbst nehmen.

Liska legt sich einen neuen Harnisch an.

Klic: Unser Liska weiß, wie das Leben läuft.

Nuz: Aber was meint er denn damit, daß die Prager schlimmer sind? Sind wir schlimm?

Pavel: Der Hirt erkennt die Schweine am Grunzen.

Nuz: Oh! Das habe ich verstanden.

Klic und Nuz gehen auf den Pavel los.

Hynek und Liska: Auseinander!

Liska: Nuz und Klic, helft mir beim Anziehen! … das Schwert … die Handschuhe … den Helm!

Als Liska den Helm in der Hand hält, reißt er die am Helm angebrachten Federn ab und schmeißt sie zu Klic.

Liska: Leg sie dir neben deine Grütze und bilde dir ein, du ißt Fasan.

Klic: Na, dann danke ich auch vielmals!

Nuz: Als Helmzier fehlt dir nur noch ein Fuchsschwanz. Ein echter edler Herr.

Klic: Petr Liska vom Fuchsbau, wir machen ihnen unsere Aufwartung.

Nuz und Klic machen eine tiefe Verbeugung.

Hynek: Ihr seid unbelehrbar. Ehe ich werde wie ihr, bleibe ich nach dem Krieg Bauer und pflüge den ganzen Tag das Feld. Setzt sich hin.

Liska: Nach dem Krieg, wann ist das? Ich werde jedenfalls keines Herren Knecht sein!

Nuz: Ja, Liska ist aus dem richtigen Holz geschnitzt. Aus dem wird noch mal ein edler Herr.

Klic: Du sagst es und wir werden als treue Gefährten an seiner Seite stehen.

Liska: Ruhe!

Liska geht vorsichtig abseits. Am Rand der Szene kommt ein gut gekleideter Mann, der sich ängstlich umschaut.

Liska: He, wer da? Freund oder Feind?

Flüchtling: Ihr seht aus wie ein katholischer Ritter, so bin ich wohl in Sicherheit. In den Wäldern hier wimmelt es von Hussiten.

Liska: Ich sehe also aus wie ein katholischer Ritter. Da habt ihr aber Glück, daß ich mich nicht verkleidet habe. Guter Mann, was macht ihr hier im Wald? Gehört ihr nicht auf die Burg, um euch in Sicherheit zu bringen.

Flüchtling: Ich hab es nicht geschafft. Ich bin mit Mühe und Not eben noch aus der Stadt gekommen. Von weitem sah ich noch mein Lager in Flammen aufgehen. Der Weg zur Burg war mir dann aber schon durch die Belagerer versperrt.

Liska: Es ist ein Elend mit diesen Hussiten! So ist Euch armem Mann nichts als das nackte Leben geblieben.

Flüchtling: Ja, fast alles ist ein Opfer der Flammen geworden. Noch habe ich aber meine Verwandten in Pilzen. Ich werde versuchen, mich durch dieses verfluchte Land durchzu-kämpfen. Ihr könnt hier auch nicht bleiben. Die Ketzer erschlagen euch, wenn sie euch hier finden.

Liska: Ich könnte Euch meinen ritterlichen Schutz anbieten. Nur, wir werden Geld für Weg-zehrung brauchen und so mancher muß bestochen werden, damit wir nicht verraten werden.

Flüchtling: Welch ein Glück wäre es, euch an meiner Seite zu wissen. Ich werde Euch ins Vertrauen ziehen. Als die Hussiten vor die Stadt kamen, habe ich, was ich konnte, in die Säume meiner Kleidung eingenäht. Das reicht bis weit mehr als nach Pilzen.

Liska: So dachte ich mir das. Kein Kaufmann geht ohne sein Geld auf die Reise und schon gar nicht läßt er es dem Feind.

Flüchtling: Ja, so sind wir Händler. Nichts überlassen wir dem Zufall.

Liska: (legt seinen Arm um die Schulter des Kaufmanns) Wißt ihr, was das komische mit diesem Zufall ist?

Flüchtling: Nein?

Liska: Stellt euch vor, ihr hättet nicht mich getroffen, sondern nur einen Hussiten, der zufäl-lig die Rüstung eines katholischen Ritters trägt.

Der Flüchtling will sich der Umarmung entziehen, doch Liska ersticht ihn.

Liska: Zufälle gibt es.

Hynek, aufmerksam geworden, ist hinzugekommen und hat alles mit angesehen.

Hynek: Was hast du getan? Bist du wahnsinnig geworden?

Liska: Verschwinde! Kümmere dich um deinen Kram!

Hynek: Das ist mein Kram! Wir schlagen Feinde und versengen die Ketzer, wenn sie nicht abschwören. Aber wir töten nicht, um uns zu bereichern!

Hynek zieht sein Schwert und legt es Liska an den Hals.

Hynek: He Leute, geht einer schnell und holt den Hauptmann?

Liska: Hynek, mach keinen Unsinn. Wir teilen!

Nuz: Was soll das, Hynek? Laß unseren Kameraden los!

Hynek: Überleg dir, was du sagst. Liska ist ein Mörder. Und bist du eines Mörders Kamerad?

Klic: Nuz, das ist zu heiß!

Liska: Klic, Nuz, haut Hynek was auf den Schädel!

Alle übrigen nehmen eine drohende Haltung gegenüber Klic und Nuz ein.

Nuz: Liska, es ist vorbei!

Zizka kommt!

Zizka: Was ist los? Warum habt ihr mich holen lassen?

Hynek: Der Zehnerführer Petr Liska hat einen Kaufmann seines Geldes wegen erschlagen.

Liska: Johannes… Jan…

Zizka: Nenn mich Hauptmann Zizka! Denn als Hauptmann werde ich dich verurteilen.

Liska: Was habe ich getan, was wir nicht schon vor Jahren gemeinsam getan hätten?

Zizka: Schweig! Denn in der Zeit des Unrechts blieb uns keine Wahl. Weiterhin haben wir keine Kaufleute im Verborgenen und hinterrücks abgestochen. Hiermit verurteile ich den Zehnerführer Petr Liska zum Tode, da er gegen die Heeresordnung auf das Schwerste versto-ßen hat. Hängt ihn auf! Hynek, euch fehlt jetzt der Zehnerführer. Wirst du in der Lage sein, die Leute zu führen?

Hynek: Wenn Ihr mir dieses Amt anvertrauen wollt, werde ich Euch nicht enttäuschen.

Alle gehen ab!

im Gehen Nuz: Sagte ich es doch. Uns werden sie nochmal alle hängen.

(sollte die Zeit zwischen Szene 7 und 8a zu kurz sein, dann Erhängen einfügen)

8a. SZENE (Bei Usti, 1426)

Nach der Schlacht bei Usti verfolgen die Hussiten die flüchtenden Sachsen. Hynek läßt sich von seinen Leuten überzeugen, in das nächste Dorf einzufallen, um endlich Rache zu nehmen.

Kurze Darstellung der Verfolgung der fliehenden Feinde. Die Verfolger, die Gruppe um Hy-nek, macht halt. Vollkommen außer Atem.

Hussit 1: Was für eine Hatz!

Pavel: Die rennen wie die Hasen.

Hussit 2: Von Usti bis hierher liegt das Heer der Meißner.

Hynek: Sammeln!

Pavel: Wir sind fast auf dem Kamm.

Hynek: Wir müssen rasten, die meisten können kaum noch. Wenn sich einige von den Meißnern zusammenrotten, kann es gefährlich werden.

Pavel: Wir sind auch zu weit auseinandergezogen. Wir müssen zurück ins Tal und wieder Anschluß suchen.

Hussit 2: Aber oben auf dem Kamm ist die Grenze. Ich würde doch zu gern meinen Fuß auf deren Land setzen.

Hynek: Meißner Land!

Hussit 1: Hynek, was ist los?

Hynek: Ich bin aus Dorf losgezogen, um wieder hier anzukommen. Ich hab nicht weit von hier gelebt. Über den Kamm sind sie oft gekommen, um sich zu holen, was ihnen nicht zustand.

Hussit 1: Du hast nicht weit von hier gelebt? Willst du nicht deine Familie besuchen?

Hussit 2: He, da wartet doch auch sicher ein Mädchen auf dich?

Hynek: Als die Meißner das letzte Mal kamen, nahmen sie uns alles. Meine Verlobte haben sie mitgenommen wie ein Stück Vieh!

Pavel: Wie lange brauchen wir bis zum nächsten Dorf hinter der Grenze?

Hynek: Zwei oder drei Stunden. Warum?

Hussit 1: In zwei Stunden wird es dunkel.

Klic: Und?

Nuz: Na einfach rein in das Dorf und dann holen wir uns, was sie uns gestohlen haben.

Hynek: Ohne Befehl? Nein, nicht mit mir!

Nuz: Wir sollten sie verfolgen. Bis wohin, hat keiner gesagt.

Klic: Stimmt!

Hynek: Nur zum Beutemachen? Sie werden uns, wenn wir wieder kommen, hart bestrafen.

Pavel: Wir behalten schon nichts für uns. Wir geben alles ab!

Hussit 1: Aber die Meißner werden dann endlich wissen, daß die Zeiten vorbei sind, wo sie ungestraft über unser Land, unseren Besitz und unsere Leute herfallen konnten.

Hynek: Keiner behält was für sich, keiner tötet einen Unbewaffneten!

Alle: Ja!

Hynek: Wir müssen uns vorsichtig bewegen und jederzeit auf einen Hinterhalt gefaßt sein. Vorwärts, wir wollen unsere Nachbarn besuchen!

8. Szene (Oelsen im Meißner Land, 1426)

Die Hussiten überfallen ein sächsisches Dorf. Die Darstellung ist wie in der ersten Szene. Wieder wird Sofia gefunden. Sofia hat in der Zeit einen Mann aus dem Dorf geheiratet. Als Hynek Sofia erkennt, läßt er sie frei und befiehlt seinen Leuten, abzurücken. Er wirft seine Waffen fort und zieht ein Resümee seiner Reise. Nuz: Schau was ich hier habe!

Heinrich (einer der Bewohner des Dorfes): Sofia!

Sofia: Heinrich, hilf mir!

Heinrich versucht, zu Sofia zu gelangen

Hynek: Bring sie her!

Nuz: Das Biest wehrt sich.

Sofia: Laß mich los!

Hynek: Sofia?

Sofia: Hynek! Gott bewahre!

Hynek: Nuz, laß sie los! Klic, schickt die Leute in ihre Häuser!

Heinrich: Sofia, was ist hier los?

Sofia: Geht zurück in eure Häuser. Macht, was sie von euch wollen!

Alle außen Pavel, Hynek und Maria ab.

Hynek: Nimm unsere Leute und gehe mit ihnen zurück. Ich will nicht, daß ihr bestraft wer-det. Die Meißner können auch jeder Zeit hier sein.

Pavel: Was ist mit dir?

Hynek: Das weiß Gott allein. Schnell, verschwindet!

Pavel ab

Sofia: Fünf Jahre!

Hynek: Ja, fünf Jahre. Fünf Jahre, in denen ich gehofft habe, dich eines Tages wiederzufinden.

Hynek will sie umarmen. Sie wehrt ab.

Sofia: Es war eine lange Zeit und du warst nicht da.

Hynek: Jetzt bin ich da. Hier! Um dich zurückzuholen. Sofia: Du bist mit deinen Leuten nicht gekommen, um mich zu holen. Ihr habt jedes Haus geplündert. Den Leuten alles genommen. Du bist gekommen, um alles zu holen, aber nicht mich. Es sind Bauern, so wie du ein Bauer warst. Es sind einfache Menschen und glaub mir, es sind keine schlechten.

Hynek: Meißner! Katholiken! Feinde!

Sofia: Bauern! Christen! Menschen! Schlag die Herren mit ihren Rittern, so du was gegen diese hast. Aber laß uns in Frieden.

Hynek: Uns? Du gehörst nicht zu diesen, die haben dich mir fortgerissen! Was soll deine Rede?

Sofia: Es waren die Soldaten ihres Herren. Diese Leute haben mich aufgenommen. Sie waren gut zu mir.

Hynek: Sofia, laß uns zuhause reden. Wir müssen fort.

Sofia: Mein Zuhause ist jetzt hier. Hier bei meinem Mann!

Hynek: Deinem Mann?

Sofia: Weißt du, wie lange fünf Jahre sind? Fünf Jahre hörte ich immer nur von dem Krieg in Böhmen. Woher sollte ich wissen, ob ich dich jemals wiedersehen könnte.

Hynek: Fünf Jahre von Sieg zu Sieg, um am Ende nichts mehr zu haben. Geh, Sofia, geh nach Hause.

Sofia ab. Hynek ist allein auf der Bühne.

Hynek: (stößt sein Schwert in den Boden) Wenn sich jetzt die Erde auftun würde, um mich zu verschlingen, das wäre Gotterbarmen. Ich bin wieder da, wo ich losgegangen bin. Nur ist alles anders. Alles ist wie auf den Kopf gestellt. An meinen Händen ist Blut und kein Wasser auf dieser Welt kann es abwaschen. Gott vergibt den Sündigen! Aber ich? Kann ich mir selbst vergeben? Geht ab!

Ende


Autor: Holger Herzog

 
brueder_im_feuer_volltext.txt · Zuletzt geändert: 2011/01/31 16:03 (Externe Bearbeitung)
 
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